V.


[32] Die Engel ziehn das Schiff am Maste gegen das Land, worin der Ritter, die Kaiserin und Matrosen abfuhren.


DIE ENGEL.

Ihr sehet nicht die hohe Hand,

Sie führt euch zum Rhabarberland,

Ihr sollt die Thiere zu Menschen erziehen,

Das ist ein göttlich reines Bemühen.

MATROSE.

Ritter, welch Wunder ich euch verkünd,

Es geht das Schiff heut gegen den Wind.

RITTER.

So müßt ihr lavieren, das ist das Best'.

MATROSE.

Eine höhere Hand hält uns hier fest.

KAISERIN.

Wir sind verloren an dieser Küste.

RITTER.

Die gute Sache mit Muth dich rüste.

MATROSEN.

Umsonst ist unser Widerstand,

Uns führet eine höhre Hand.

KAISERIN.

Wir sind verloren in diesem Land,

Der Kaiser ist sicher von Wuth entbrannt.

RITTER.

Ich schütze dich, schöne Kaiserin,

Mein Leben geh ich für deines hin.

MATROSEN.

Ei seht doch, Herr Ritter, den Kreis von Thieren,

Sie halten die Krone in ihren vieren.

RITTER.

Gewiß war hier eine Staatsaction,

Rhabarber herrschet nicht mehr auf dem Thron.

ESEL.

Als Redner bin ich hier vorgetreten,

Ihr guten Menschen, seyd freundlich gebeten,

Hier anzulegen. Steiget ans Land,

Nehmet die Krone aus meiner Hand,

Wir fürchten, sie möchte noch endlich platzen,

Wenn wir drauf tappen mit unsern Tatzen.

RITTER.

Ich setze sie meiner Frau auf das Haupt,

Die ihrer Krone durch mich ward beraubt.

THIERE.

Wir schwören euch Treue, daß alles schallt,

Und illuminiren den ganzen Wald,

Es lebe der Kaiser, die Kaiserin,

Wir gehorchen euch in treuem Sinn.[33]

RITTER.

Nun saget mir doch, ihr lieben Thiere,

Wie kommts, daß ich keine Menschen verspüre.

ESEL.

Den Kaiser, den Kasper, die Menschen alle

Hat der Teufel gelockt in eine Falle;

Sie gingen in die Maschine hinein,

Der Himmel weiß, wo sie jetzt mögen seyn.

RITTER.

Ihr Freunde, nehmt die Regierungsmaschine,

Sie hat vernichtet alles Freie und Kühne,

Und werfet sie in das tiefe Meer,

Damit uns kein unnütz Gesetz mehr beschwer,

Dann leben wir hier wie im Paradies,

Das uns der Himmel nach Leiden verhieß.

KAISERIN.

In deiner Lieb ist mein Paradies,

Wo mich sonst jede Freude verließ.

Wir wollen in Lieb und Beschaulichkeit

Nun treiben unsere Ewigkeit.

MATROSEN.

O selige Fahrt

Zum Paradies,

Er hat uns bewahrt,

Der's allen verhieß.

THIERE.

Wie hat sich doch alles zur Freude gewendet,

Ihr Hörer, jetzt klatschet, das Spiel ist geendet.

Quelle:
Achim von Arnim: Das Loch. Berlin 1968, S. 32-34.
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