1407. An Marie Hesse

[209] 1407. An Marie Hesse


Mechtshausen 14. August 1903.


Meine liebe Frau Heße!

Ihr Brief hat mich erfreut, denn er sagt mir, daß Sie sich wohlbefinden.

Meinerseits hienieden herumspatzierend, seh ich mit der Gelaßenheit des Alters dem Gedeihen der Bäume und Blumen und Menschen zu, und es soll mir recht sein, wenn es noch ein paar Jährchen so weiter geht. Erst hatten wir Dürre und wünschten sehnlichst den Regen herbei. Dann kam er in Überfluß. Jetzt aber, paßend zur Erndtezeit, scheint wieder die Sonne. Ja, der Herbst meldet sich an. Immer schneller radelt die Zeit vorüber, je kürzer das Leben wird.

In Erwartung wärmeren Wetters schob ich meine üblichen Frühlingsbesuche heuer etwas weiter hinaus. Von Ebergötzen, wo ich den alten Freund wiedersah, fuhr ich nach Hattorf zum Neffen Hermann, deßen älteste Tochter nun beinah schon erwachsen ist.[209]

Inzwischen war meine gute Schwester bei ihrem Sohn Adolf in Verden. Er hat zwei Kinder: Grete, sechs Jahre alt, und einen kleinen dreivierteljährigen Kurt.

Martin, Ruth und Anneliese, die Kinder des Neffen Otto, treiben sich munter in Haus und Garten und zwischen dem Geflügel im Hofe herum.

Leben Sie wohl, liebe Frau Heße! Herzliche Grüße von meinem Neffen und mir.

Ihr alter W. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969, S. 209-210.
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