222. An Erich Bachmann

[120] 222. An Erich Bachmann


Wiedensahl 10ten März 1874.


Mein lieber Erich!

Es hat mich herzlich gefreut, von Dir zu hören, daß es Dir beßer ging, und hoffentlich wird es nun, wo ich schreibe, noch beßer geworden sein. Besonders wird sich doch auch Dein Appetit wieder eingestellt haben. Man sagt: Böse Träume kommen aus dem Magen. Und es ist ja nur zu gewiß, daß man, wenn dieser prosaische Hauptfaktor des Lebens nicht recht in Ordnung ist, nur zu geneigt ist, alle Dinge von der schwärzesten Seite anzusehen. Dagegen ist es aber auch ein Hochgefühl sondergleichen, wenn dieser alte Schlauch wieder anfängt, seine Schuldigkeit zu thun, und man dann so von innen heraus mit wirklicher Herzensfreudigkeit darauf ausgeht, die verlorenen Kräfte wieder zu ersetzen. Laß mich das bald von Dir hören.

So gern ich Dich, mein lieber Erich, wenn auch nur auf ein paar Tage, wiedergesehen hätte, so ist es mir doch klar, daß die Verhältniße leider augenblicklich nicht dazu angethan sind. Wir wollen also die schöne Sommerzeit erwarten, die hoffentlich Freude und Gesundheit wiederbringt, und dann will ich mal nach Herzenslust all die alten Plätze in Feld und Wald wieder aufsuchen. Vorher aber treffen wir uns natürlich in Hannover, wenn so Du nicht etwa in den Osterferien hin mußt, wo ich, wie Du weißt, mit Bruder Hermann nach Belgien zu reisen gedenke.

Schreib bald wieder, lieber Erich! und sei überzeugt, daß ich stets bin

Dein getr. Freund Wilhelm.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 120.
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