422. An Marie Hesse

[188] 422. An Marie Hesse


Wiedensahl 7. Oct. 1878.


Meine verehrteste Frau Heße!

Wie schnell vergingen mir doch die goldenen Herbsttage in der schönen Stadt Bremen! – Dann ging's weiter bei trüber Regenstimmung durch[188] Moor und Haide und unter Blitz und Donner nach Bremervörde hinein. Die nächste Umgebung des kleinen Städtchens, die Brücke, der Hafen, der Park mit den uralten Pappeln, hat mich angenehm überrascht. Meines Bruders Schwiegereltern sind gar liebenswürdige gastfreie Menschen. Die Festlichkeiten verliefen in Hülle und Fülle, bis es mir fast zu viel wurde. Gestern, bei meiner Rückkehr, hatt ich auf dem Bremer Bahnhof nur 15 Min. Zeit. Sie können wohl denken, wie lebhaft ich da nach Contresc. 138 hinüber dachte und mich an Heßens erinnerte, die mich erst vor wenigen Tagen so herzlich aufgenommen. Abends bei Mondenschein, (es war so warm, wie in Sommernächten) bummelte ich dann gemüthlich schmökend durch den Wald nach Wiedensahl.

Ich hoffe bald mal Nachricht von Ihnen zu erhalten und zu hören, daß es Ihnen Allen gut geht.

Meine besten Grüße an Herrn Hesse, an den Georg und's Grethel; und sagen Sie den letzteren beiden: Das Bilderbuch schickt' ich, so wie ich's von dem Verleger erhielte.

Stets Ihr ganz ergebenster

Wilh. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 188-189.
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