472. An Marie Hesse

[205] 472. An Marie Hesse


Wiedensahl 26. April 1880.


Liebe Frau Heße!

Als ich aus Süddeutschland wieder hier einrückte, war ich angenehm verwundert, den Frühling schon so geschäftig zu finden; mehr als dort; und das obendrein nach diesem Winter mit seiner hartnäckigen Prächtigkeit. Die Rosen hab ich längst aus dem Bett geholt; schon haben sich Knospen hervorgedrängelt; etwas voreilig, wie mir scheint. Vor meinem Fenster blühen silbern die Birnen- und Pflaumenbäume, und dazwischen hindurch weiterhin seh ich den Raps hübsch unverschämt golden im Winde wogen.

Den Neffen Hermann, der seit 1ten April als Einjähriger in Göttingen ist, besucht ich auf der Herreise. Sein neues Geschäft giebt ihm genügend zu denken, um die Theologie vorläufig entbehren zu können. Adolf und Otto sind Ostern beide als Erste aus ihren Klaßen versetzt worden.

Ich bin grad ziemlich fleißig und denk sobald nicht aus dem Loch zu gehn.

Wie ist es denn mit der englischen Reise? Was macht Herr Heße, die Kinder und der Husten?

Schreiben Sie doch bald mal Was an

Ihren ergebensten Wilh. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 205.
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