549. An Marie Hesse

[229] 549. An Marie Hesse


Wiedensahl 12 Jun. 82


Liebe Frau Heße!

Die Nachricht von dem Tode Ihres Vaters hab ich erhalten. Da Sie mir oft mit großer Liebe von ihm gesprochen, so kann ich wohl ahnen, daß sein Verlust ein großer Schmerz für Sie sein muß. Wie wenig aber, ja fast nichts, kann in solchen Fällen ein Anderer uns sagen, was uns wirklichen Trost gewährt. Nur an einer Hand, welche durch alle Ewigkeit fest ist, können wir, scheint's, solche ängstliche Stellen unserer Bahn mit Beruhigung überschreiten.

Ich denke mir, Sie sind jetzt auf Ihrem Gut und freuen Sich an der Fülle von Blüthen und Ähren, welche dieser Frühling dem Sommer entgegen trägt.

Die Ferienzeit und damit die Rückkehr der Neffen sind nahe. Ob ich länger und weiter mit ihnen reise, weiß ich nicht und glaub es kaum. Meine Schwester geht ungern fort. So ist denn natürlich, daß sie möglichst lange bei Muttern bleiben, die sonst so viel allein ist.

Die herzlichsten Grüße von

Ihrem getreuen Freunde

Wilh. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 229.
Lizenz: