96. An Oskar Meyer

[66] 96. An Oskar Meyer


Wiedensahl d. 25. Juli 1871


Mein lieber Vetter!

Als wir am Sonnabend von Wolfenbüttel hier ankamen, war Dein Brief soeben nach Wolfenbüttel abgereist, um mich dort aufzusuchen. Nun ist er endlich zu mir zurück gekehrt, und ich sehe mit Vergnügen, daß Du den alten polirten Freund um 60 M erstanden hast. Ich denke, er kann wohl als Frachtgut geschickt werden, wenn er gut verpackt wird. Laße ihn dann spediren unter der Adreße von:

Frau Johanna Keßler

Frankfurt a/M

Bockenheimer Landstr. 62

Sei so freundlich und schicke mir die Tischlerrechnung gleich hier her. – So! – Meinen herzlichen Dank! Onkel ist mit nach Wolfenbüttel gewesen. Wir machten in Börßum Station und gingen auf einer staubigen Chaußee in voller Mittaghitze nach Bornum, um Lambrecht den Faulbrutmann zu besuchen. Als wir ins Haus traten, kam gleich ein alter grimmiger Fix und biß Otto in das eine Bein, und als er dieses voller Schrecken aufhob, biß er ihn auch in das andere.

In Wolfenbüttel haben wir viele Erdbeerbowlen getrunken und waren sehr vergnügt. Onkel reiste am Freitag Morgen; er wollte über den Vorwohler Berg gehen.

An Helene und die Kinder viel freundliche Grüße von

Deinem getr. Vetter

Wilhelm Busch

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 66.
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