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[292] Alphonsus. Ramiro. Palamedes. Liberata. Rodrigo. Octavius und Tiridates als verlarvte Mohren. Die Königl. Pagen und Trabanten. Der Blut-Richter mit seiner Gesellschafft.
ALPHONSUS.
O Rosen-volle Bahn!
Willkommen liebstes Kind! Sey tausendmahl gegrüsset!
Nun wird die Koloqvinth des Traurens unß versüßet!
Rodrig' eröffn' unß doch die schröckliche Gefahr.
RODRIGO.
Hier bring' ich / grosser Fürst / diß saubre Mohren-Paar /
Das in dem Garten sich an die Prinzeß gewaget
Und dem ich diesen Schatz hertzhafftig abgejaget.
ALPHONSUS.
Jhr Götter dieses Reichs / Jch danck' Euch auff dem Knie
Vor den so starcken Schutz / Es sol Euch spat und früh
Zur schuldgen Danckbarkeit ein Freuden-Opfer brennen /
So lange Portugal wird unsern Nahmen nennen!
Allein wir müssen schaun wer doch die Räuber seyn![292]
Ach Himmel ich erstarr! Mir zittert Arm und Bein!
Wie? Hat Octavius zugleich nebst Tiridaten
Dem König rauben wolln die schönste Liberaten?
Welch Teuffel hat dich doch / Octavius / verblendt /
Daß in diß Unglück du so freventlich gerennt?
Jst diß dein theurer Eyd? Dein Ehrliches Gewissen?
Jst dieser ein Legat? Jhr sollt mir Redlich büssen!
OCTAVIUS.
Großmächtigster Monarch ich laugne nicht die That;
Allein es hat hierzu der freche Tiridat
Durch theurversprochne Schätz' und Hoheit eines Fürsten /
Nach welchem Kleinod offt die klügsten Seelen dürsten /
Mich liederlich verführt / so daß nun leider itzt
Deß Himmels strenge Rach auff meine Scheitel blitzt /
Und meinen Glücks-Stern mir verwandelt in Cometen!
ALPHONSUS.
Es ist in diesem Werck kein Blut-Rath nicht von nöthen /
Weil deß Rodrigo Faust Sie beyd' auff frischer That
Nebst der Trabanten Schaar allhier ergrieffen hat.
RAMIRO.
Die Larven schicken sich sehr wol zu diesem Laster /
Weil schwartzes Meineyds-Gifft hier ist das schönste Pflaster!
PALAMEDES.
So ists; Ein schwartzes Hertz hegt auch ein schwartz Gesicht /
Drumb haben billich Sie der Mohren Schwärtz erticht!
ALPHONSUS.
Holt stracks die Hencker her mit Stricken / Block und Beilen /
Daß diesen Frevlern wir verdienten Lohn ertheilen![293]
RAMIRO.
Wer GOtt und Recht verletzt / der fühl' Astræens Stahl!
PALAMEDES.
Durch diß baut sich ein Fürst des Nachruhms Sternen-Saal.
TIRIDATES.
Wil man der Völcker Recht an den Gesandten brechen?
ALPHONSUS.
Ja! Wann Gesandten Selbst das Recht der Völcker schwachen.
TIRIDATES.
Durch was hab' ich das Recht der Völcker wol versehrt?
ALPHONSUS.
Daß du deß Königs Kind geraubet und entehrt.
TIRIDATES.
Deß Königs Majestät ist hiedurch nicht entehret.
ALPHONSUS.
Auch an den Kindern wird die Majestät versehret.
TIRIDATES.
Beym blossen Vorsatz findt die Straffe keine statt.
ALPHONSUS.
Hat man Euch Beyde nicht ertappt auff frischer That?
TIRIDATES.
Allein es hat die That nicht jhren Zweck erreichet.
ALPHONSUS.
Durch diese Außflucht wird die Themis nicht erweichet.[294]
TIRIDATES.
Es läßt die Themis offt Genade gehn vor Recht.
ALPHONSUS.
Jn diesem Laster ist die Gnade gar sehr schlecht.
TIRIDATES.
Jch bin Schach Sefi Mund / Jch führe seine Waffen.
ALPHONSUS.
Wo Einer sündiget / da ist Er auch zu straffen.
TIRIDATES.
Der Persische Monarch hat mich zu straffen Macht.
ALPHONSUS.
Umb diese Freyheit hat dein Frevel dich gebracht.
TIRIDATES.
Mich hat Octavius zu dieser That verleitet.
ALPHONSUS.
Drumb wird Dir und auch Jhm das Rach-Schwerdt zubereitet.
TIRIDATES.
Man schreibe meinem Fürst! Man höre seinen Schluß!
ALPHONSUS.
Wann du wirst seyn erblaßt!
TIRIDATES.
O bittrer Todes-Gruß!
O strenge Tyranney die auff Gesandten blitzet![295]
ALPHONSUS.
Der Titul ist nun weg / du wirst nicht mehr geschützet.
Vollziehet den Befehl! Jdoch daß Unsre Gnad
Noch dieser Frevler seh / so sol Octavi That
Zum Ersten seyn bestrafft. Laßt den Verräther leiden
Durch der Astræen Strick gedreht auß fester Seyden!
OCTAVIUS.
Ach Gnad' Jhr Maiestät! Alphonsus ach Genad!
Sie bitte doch vor mich / Durchlauchste Liberat!
LIBERATA.
Du hast es nicht verdient!
OCTAVIUS.
Ach Gnade grosser König!
ALPHONSUS.
Die Gnad ist längst verschertzt / die Straff ist noch zu wenig.
Greifft den Verdammten an!
OCTAVIUS.
Jhr schnöden Menschen jhr /
Die Gold und Hochmuth reitzt / bespiegelt Euch an mir /
Laßt doch der Ehrsucht Glantz nicht euren Geist verblenden /
Bleibt Eurem Fürsten treu mit Seele / Mund und Händen /
So trifft Euch keine Rach! Nun grosser Fürst Ade!
Hier ligt Octavius! O Jammer-reiches Weh!
RODRIGO.
Es wil der müde Geist auß seinem Cörper scheiden.
ALPHONSUS.
Laßt diesen Frevler nun auch durch das Richt-Beil leiden![296]
TIRIDATES.
Hier geht Gewalt vor Recht! Jdoch mein grosser Schach
Wird die durch meinen Todt Jhm zugefügte Schmach
Krafft seiner Majestätt nicht ungerochen lassen.
Ach sol dann ein Legat auff diesem Klotz erblassen!
ALPHONSUS.
Ein Mohr / und kein Legat! Gib dich nur willig drein:
Nicht Wir / das Recht strafft dich; Es kan nicht anders seyn!
TIRIDATES.
Wolan so hauet zu! weil ich / Tyrann! sol sterben /
So laß auß meinem Blutt dir einen Purpur färben.
RAMIRO.
Der Abschied klingt sehr wol!
PALAMEDES.
Der Trotz wird nur verlacht /
Der keinen Nachdruck hat und sonder alle Macht!
ALPHONSUS.
Laßt beyde Bestien ins Galgens Abgrund werffen!
Bey grossen Lastern muß man auch die Straffe schärffen!
Die Singende Gerechtigkeit.
1.
O Blinde Sterbligkeit!
O schnöde Sicherheit /
Die Euren Geist regiret /
Wenn Euch Fürst Rhadamant
Mit seiner Höllen-Hand
Zu Sünd und Lastern führet!
[297]
2.
Gedenckt / daß dieses Schwerdt
Auch durch die Risen fährt;
Und daß die Wage-Schaalen /
Wenn sich mein Zorn ergrimmt /
Den Untergang bestimmt
Den schönsten Ehren-Strahlen!
3.
Die Schätze dieser Welt /
Vor denen niderfällt
Die hochgesinnte Seele /
Die lifern eurer Brust
Vor eine kurtze Lust
Deß Henckers Folter-Höle.
4.
Ein Beyspiel zeiget Euch
Jtzt deß Alphonsus Reich /
Wo tolle Ehrsuchts-Flammen
Dem allerklügsten Rat
Wie auch den Tiridat
Zu Strick und Beil verdammen.
5.
Wohin Octavius
Rennt doch dein frecher Fuß
Zugleich mit Tiridaten?
Wo bleibt Eur hoher Witz /
Daß jhr von jhrem Sitz
Wollt rauben Liberaten?
6.
Es wird die Majestät
Des Königes verschmäht
[298] Nicht nur an seinen Glidern /
Mein Stahl wird auch geschleifft
Auff dehn / der sich vergreifft
An Kind / Gemahl / und Brüdern.
7.
Und hier ist kein Legat
Befreyt von Schwerdt und Rad!
Dem allerschönsten Tittel
Reich ich beym Sonnen-Glantz
Offt den Zypreßen-Krantz
Und einen Sterbe-Kittel.
8.
Drumb denckt stets an den Eyd /
Verlacht die Sicherheit /
Bewahret das Gewissen;
Sonst wird eur falsches Hertz
Mit Jammer-vollem Schmertz
Jn Kett- und Feßeln büßen!
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