Sibender Auftritt.

[316] Juliana. Aurora mit allerhand Geschencken auff einer Silbernen Schale.


AURORA.

Mein Jnfortunio / mein außerwähltes Leben /

Dem meine Seele sich in höchster Brunst ergeben /

Nihm libster Engel doch die süssen Gaben an /

Die deine Sclavin dir verehrt auff Chloris Bahn.

Empfah den edlen Krantz / der mit Zitronen-Blättern

Dein Himmel-werthes Haupt recht artlich wird vergöttern!

Der schöne Blumen-Strauß erqvicket deinen Geist:

Wenn du der Nasen Schnee die Pomerantze weißt /

Wird unerschöpffte Lust dein lasses Hertz erfüllen.

Diß Kammer-Tuch kan vor der Sonne dich verhüllen /

Wenn sie zu hefftig brennt der Wangen Alabast.

Nihm Rosen-Puder an der keinem ist verhaßt /

Diß helle Chrystallin gefüllt mit solcher Schmincken /

Durch die dein Angesicht den Engeln gleich kan blincken.

Steck' in den Purpur-Mund diß Genueser-Werck /

Das dir ertheilen wird recht überirrdsche Stärck.

Der Schatten kan dir auch gewüntschte Lufft zuwehen.

Wie? Wil dein Sonnen-Paar die Gaben itzt verschmähen?

Aurora suche dir mit etwas beßrem Rath!

Wie lacht mein Conterfey auff diesem Kupfferblat!

Ja wo dichs nicht vergnügt / so nihm dir selbst Auroren /

Die deiner Göttligkeit auff Ewig sich verschwohren!

JULIANA.

Jsts möglich daß du kanst empfinden solche Pein?

AURORA.

Jst Jnfortunio geschnitzt auß Marmorstein?

Du hast mein Hertz verwundt / drumb solst du diß auch heilen.[317]

JULIANA.

Du kanst nur zum Barbir umb sanffte Kühlung eilen.

AURORA.

Ach! es kan kein Barbir mir leschen diesen Brand

Alß Jnfortunio mit seiner zarten Hand.

JULIANA.

Du wirst dich besser kühln ins Tagus kaltem Fluße!

AURORA.

Ach nein! die schönste Cur beruht auff einem Kuße.

JULIANA.

Ach was ist doch ein Kuß? Ein Schatten an der Wand!

AURORA.

Der Lippen Marzemin / der Seele Zuckerkandt.

JULIANA.

Gib diesen Zuckerkand nur deiner Mutter Händen.

AURORA.

Wil Jnfortunio nicht meine Schmertzen enden?

JULIANA.

Jch bin kein Theophrast! Curire selber dich!


Sie lauft weg.


AURORA.

Ey warte doch mein Schatz! O grimmer Seelen-Stich!

Bin ich nicht deiner werth Tyranne der Tyrannen?

Wolan! Jch wil nunmehr die tolle Brunst verbannen!


Quelle:
Johann Christian Hallmann: Sämtliche Werke. Band 2, Berlin und New York 1975, S. 316-318.
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