Achter Auftritt.


[18] Hochebene unweit de Berges Isel. In der Ferne die Türme von Inspruck.

Andrea Hofer steht unter vielem Volke.


HOFER.

Nun liebe Brüder Landsverteidiger,

So stehn wir wieder an dem Berge Isel,[18]

Der zweimal unsrer Waffen Glorie sah.

Zuerst im Lenz, wo sich die Bayern hier

Ergaben an den guten Major Teimer,

Im Sommer dann, wo wir den Deroy schlugen.

Da scheint die Martinswand, und dort liegt Inspruck

Und Kaiser Maxens Geist umschwebt uns hier!

DAS VOLK.

Du hast uns, Vater! aufgemahnt, wir sind

Dir, wie sich's ziemet, gern gefolgt; jetzt sag uns,

Was ist des Zuges Zweck?

HOFER.

Das Land Tirol

Dem Kaiser zu erhalten.

VOLK. Der uns ließ?

HOFER.

Noch nicht, ihr Kinder! noch ist Friede nicht,

Und wird auch nimmer werden, wie der Feind will.

Im Handbillett aus Scharding heißt's buchstäblich:

»Ich zähl' auf euch, zählt ihr auf mich.« Nun seht,

Die Rechte hackt' ich mir ja lieber ab,

Eh' ich sie meine Schande schreiben ließe.

Nicht kleiner dürfen wir vom Kaiser denken,

Als von uns selbst. Die unglücksvolle Zeit

Erpreßt' auf kurze Dau'r den Pakt von Znaim,

Allein der Adler wird sich wieder rühren,

Dann wär' es schlimm, wenn wir in fremden Händen.

Drum hab' ich euch berufen, daß wir wert

Des Namens bleiben! Schild von Österreich!

Wie wir die ärmsten sind von seinen Kindern,

So müssen wir die treusten sein des Kaisers.

Gold gibt ihm Hungarn, Steine Böheim, wir,

Wir haben nur ein Herz voll frommer Liebe,

Und einen Arm, der dieses Herzens Willen

Ausrichten kann. Wir müssen ihn erkämpfen,

Verdienen das Zutrauen, das in uns gesetzt

Das alte heil'ge Erzhaus Österreich.

Wenn dann der Kaiser seinen Frieden macht,

Und fröhlich sitzt in seinem Pomp zu Wien,[19]

Und alle Völker ob und nied der Ens

Den Thron umstehn, dann schaut er wohl zuerst

Nach seinen grau und grünen Bergesschützen!

VOLK.

Doch Vater, wenn es anders kommt?

HOFER.

Gott wend' es!

Wir aber werden auch das letzte Unglück

Wie Männer tragen.

VOLK.

Und aus dem Lande führest du uns nicht?

HOFER.

Auf unsern Bergen bleibe ich mit euch,

Da woll'n wir jubeln, weinen, siegen, sterben;

Ich sag' es euch, und schwöre, daß ich's halte.

VOLK.

So sind wir dein, mit Leib und Herz und Geist,

Vivat der Sandwirt! Hoch, Andreas Hofer!

HOFER.

Dank Brüder! – Seht auf mich, und was ich tue.

Wie ich die Kugel aus der Büchse sende

Dorthin –


Er schießt seine Büchse ab.


So send' ich die Gedanken fort

Ins Lager, in die Schanzen der Franzosen!

Und niemand denke etwas anders nun,

Als daß die Leiber

Wie die Gedanken jetzo müssen tun.


Quelle:
Karl Immermann: Andreas Hofer der Sandwirt von Passeier. Bielefeld und Leipzig 1912, S. 18-20.
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