[116] In der Universitätskirche den 28. December 1770 aufgeführt.
Vor der Rede.
Ach was für Töne banger Klagen!
Ach! Worte schreckensvoll zu sagen:
Er wacht nicht für Augusta mehr!
Er! groß an Weisheit, reich an Güte,
Durch den sie ward, durch den sie blühte.
B.A.
Seit sie entstand, ging auf ihr glänzend Glück
Aufmerksam, achtungsvoll, der ältern Schwestern Blick,
Man nannte sie, zu Deutschlands Ehre
Jenseit des Rheins, der Alpen und der Meere;
Ihr Schüler ward (so sey er's nur einmal!)
Der Gallier, der ihr befahl.
Stolz klinge das! doch werd' es ihr verziehn;
Denn Alles war sie nur durch Ihn.
Regiert durch Seines Geistes Stärke,
Durch Seine Huld geschützt, genährt,
War sie das Liebste Seiner Werke,
Der Gnade der Georgen werth.
Lang' gewohnt Ihm unser Glück zu danken,
Klagen wir, da Er uns früh enteilt;
Früh als Greis, noch mit des Mannes Kräften;
Mit des Mannes Eifer in Geschäften,
Nur Erfahrung, Reife der Gedanken,
Waren Ihm vom Alter zugetheilt.
B.A.
Nach der Rede.
Auch vor dem Ewigen, den Er unsterblich schauet,
Da denkt Er noch an uns zurück;[116]
»Herr! war ich treu in dem, was du mir anvertrauet,
Dein Werkzeug für der Menschen Glück,
Gefiel Dir das, was Du durch mich gethan,
So sieh' es ferner gnädig an.«
B.A.
Und du, Augusta! sey es werth,
Daß Ihn für dich die Vorsicht hört;
Sey, was Er dir zu seyn empfohl,
Aus Pflicht für Ihn, und für dein Wohl!
Wenn stets in dir so reiner Eifer brennt,
Dann bleibest du, der frommen Treu' zum Lohne,
Dem Weisen werth, geschützt vom Throne,
Münchhausen's dauernd Monument.
So weit der Weisheit Strahlen glänzen,
So weit gehn Seines Ruhmes Grenzen;
Ihn nennt bewundernd, Dankesvoll,
Die Welt, die spät noch werden soll;
Und wünscht, an unser Glück zu reichen,
Sich Edle, die Münchhausen gleichen.
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