Zweiter Auftritt

[214] Ein Greis tritt auf. Die Vorigen.


EIN KRIEGER.

Komm her, Armin, ich bitte dich.

EIN ANDERER.

Das heult,

Gepeitscht vom Sturm der Angst und schäumt und gischt,

Dem offnen Weltmeer gleich.

EIN DRITTER.

Schaff Ordnung hier!

Sie wogen noch das Zelt des Guiskard um.

DER GREIS zum Volk.

Fort hier mit dem, was unnütz ist! Was soll's[214]

Mit Weibern mir und Kindern hier? Den Ausschuß,

Die zwölf bewehrten Männer braucht's, sonst nichts.

EIN NORMANN aus dem Volk.

Laß uns –

EIN WEIB.

Laß jammernd uns –

DER GREIS.

Hinweg! sag ich.

Wollt ihr etwa, ihr scheint mir gut gestimmt,

Das Haupt ihm der Rebellion erheben?

Soll ich mit Guiskard reden hier, wollt ihr's?

DER NORMANN.

Du sollst, du würd'ger Greis, die Stimme führen,

Du einziger und keiner sonst. Doch wenn er

Nicht hört, der Unerbittliche, so setze,

Den Jammer dieses ganzen Volks, setz ihn,

Gleich einem erznen Sprachrohr an, und donnre,

Was seine Pflicht sei, in die Ohren ihm –!

Wir litten, was ein Volk erdulden kann.

DER ERSTE KRIEGER.

Schaut! Horcht!

DER ZWEITE.

Das Guiskardszelt eröffnet sich –

DER DRITTE.

Sieh da – die Kaiserin von Griechenland!

DER ERSTE.

Nun, diesen Zufall, Freunde, nenn ich günstig! –

Jetzt bringt sich das Gesuch gleich an.

DER GREIS.

Still denn!

Daß keiner einen Laut mir wagt! Ihr hört's,

Dem Flehn will ich, ich sag es noch einmal,

Nicht der Empörung meine Stimme leihn.


Quelle:
Heinrich von Kleist: Werke und Briefe in vier Bänden. Band 1, Berlin und Weimar 1978, S. 214-215.
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