Jutefärberei

[240] Jutefärberei. Die eigentümliche chemische Beschaffenheit der Jutefaser, die nach Croß und Bevan aus der Verbindung von Cellulose mit einer tanninartigen Substanz (Bastin) besteht, bedingt ihr Verhalten gegenüber basischen Farbstoffen, das auf eine ausgesprochene Verwandtschaft der Faser zu letzteren hinweist und lebhaft an das Verhalten der mit Tannin gebeizten Baumwolle zu diesen Farbstoffen erinnert. Die gewaschene oder auch vorher gebleichte Jute wird daher vielfach mit basischen Farbstoffen, und zwar ohne Beize im neutralen oder im mit Essigsäure oder Alaun versetzten Bade bei 50–70° C. gefärbt.

In gleicher Weise lassen sich auf ihr die phenolartigen oder schwach sauren Farbstoffe wie die Eosine und Alizarinfarbstoffe, desgleichen die Pigmente der Farbhölzer befestigen. Von den sauren Farbstoffen sind es vorwiegend die direkten Baumwollfarbstoffe oder Salzfarben, die sich im Seifenbade ohne Schwierigkeit auffärben lassen, aber auch die übrigen Säurefarbstoffe können im schwach essigsauren, mit 1–10% Alaun versetzten Bade zum Färben der Jute dienen. Zur Erzielung roter Töne verwendet man vorwiegend Fuchsin und Safranin im neutralen Bade, die Ponceau- und Scharlachmarken im schwach essigsauren Bade, die roten, direkt färbenden Baumwollazofarbstoffe, wie Benzopurpurin 4 B. und Diaminechtrot, im Seifenbade. Lebhafte gelbe Töne liefert Auramin, das ohne Säure bei 60–70° C. gefärbt wird, ferner Naphtholgelb S, Chinolingelb und Tartrazin im schwach sauren Bade. Orange Töne liefern in gleicher Weise aufgefärbt Azoflavin und Orange N. Für lebhafte grüne Töne eignen sich die basischen Farbstoffe Malachit-, Brillant-, Methylgrün, während die im schwach sauren Bade kochend aufzufärbenden Säuregrün, wie Lichtgrün, Guineagrün, zusammen mit andern Säurefarbstoffen Mischtöne herzustellen gestatten. Für blaue und violette Töne stehen eine Reihe basischer, im neutralen oder schwach essigsauren Bade aufzufärbender Farbstoffe, wie Viktoria-, Nacht-, Methylen-, Nilblau, Methyl-, Kristallviolett, zur Verfügung. Braune Farben erzielt man mit Chrysoidin und Vesuvin als basischen, Echtbraun N und Naphthylaminbraun als sauren Farbstoffen. Schwarz erzeugt man auf Jute in der Weise, daß man dieselbe in ein kochendes Bad von 2% trockenem Blauholzextrakt und 1/2% Gelbholzextrakt einlegt und 24 Stunden darin verweilen läßt. Sodann wirst man sie auf Haufen auf, die innerhalb 24 Stunden mehrfach gewendet werden müssen. Unterdessen hat man dem Bade 8% Eisenvitriol und 1/2% Kupfervitriol, bezogen auf das Gewicht der Jute, zugesetzt und die Flüssigkeit zum Kochen erhitzt, worauf man mit dem Material weitere 24 Stunden eingeht. Schließlich wird die Jute geschleudert und getrocknet.


Literatur: Pfuhl, Die Jute und ihre Verarbeitung, Berlin 1888.

R. Möhlau.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 240-241.
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