Rapertus

[36] Rapertus (22. Juli al 7. Sept., 25. Oct.), ein Mönch zu St. Gallen, war sehr gelehrt und fromm, weßhalb auch eine Erhebung seiner Reliquien stattfand. Gleichwohl genießt er keine öffentliche Verehrung. Er wurde nach Burgener in der ersten Hälfte des 9. Jahrh. in Zürich geboren und mit dem hl. Notker als Professor an der Klosterschule zu St. Gallen angestellt. Notker besorgte die innere, Rapertus die äußere Schule. Seiner Schule stand er gewissenhaft vor; weder die Sorge für seine Gesundheit durch Leibesbewegung, noch irgend eine Krankheit konnte ihn in seinem Lehramte stören. Er ging nie aus seinem Kloster, hieß das Ausgehen den Tod und hielt deßwegen dem Tutilo, der als allseitiger Künstler oft mit den Großen der Welt verkehren mußte, manche Strafrede. Der vielen Anstrengungen wegen blieb er vom Chore weg, kam aber fleißig zur Abendbetstunde. Viele Jahre hatte er die äußere Schule geleitet, da fühlte er sich ganz erschöpft und seiner Auflösung nahe. Und um was er oft zu Gott gefleht, er möchte ihn durch schwere Krankheiten in diesem [36] Leben prüfen, das wurde ihm gewährt. Eine schmerzvolle Krankheit ließ ihn sein Lebensende ahnen; allein der Allgütige versüßte ihm dieselbe durch himmlische Tröstungen. Vierzig in Würden stehende Weltgeistliche, die seine Schüler gewesen, und auf das Fest des hl. Gallus in das Kloster gekommen waren, besuchten das Krankenlager ihres geliebten Lehrers und versprachen ihm, seiner in der hl. Messe zu gedenken. Der selige Rapertus war lange Diakon, erst kurz vor seinem Tode, der sich bald nach dem Jahre 897 ereignete, ließ er sich zum Priester weihen. Er schrieb die Geschichte des Klosters St. Gallen vom J. 614 bis zum J. 883 bis auf seine Zeit, betitelt casus S. Galli, verfertigte Lieder und Lobgesänge, besonders ein deutsches Lied auf den hl. Gallus, wovon aber nur noch die lateinische Uebersetzung, die Ekkehard IV. verfaßte, vorhanden ist; auch Litaneien auf die Frühlingsbittgänge, und Anreden an die Könige in Musik, um selbe zu empfangen; ferner stammt die Grabschrift auf Hildegard, erste Abtissin zu Zürich und Tochter König Ludwig des Deutschen und eine Inschrift auf die Kirche daselbst von ihm ab. (Burg.)


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Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 5. Augsburg 1882, S. 36-37.
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