175. An Otto Bassermann

[103] 175. An Otto Bassermann


Wiedensahl 9 März 1873


Mein lieber Baßermann!

Eine Concurrenz mit dem »Hinkenden« scheint mir, wenn ich auf den Inhalt sehe, allerdings nicht gar schwer. Aber er ist nun mal sehr verbreitet, und dann hat er die vielen Dampfpreßen, die ihn vorwärts schieben. Ihn hält vorzugsweise der Vertrieb. Apparat, Capital, Risico, Name wären nothwendig, um mit einem ähnlichen Unternehmen hervorzutreten.

Wir haben ja auch schon über einen Calender gesprochen; indeß habe ich dabei nicht an Concurrenz gedacht, sondern überhaupt an ein lustiges Buch in Form eines Calenders. – Ob Bücker der Mann dazu, ließe sich beurtheilen, wenn ein Manuscript fix und fertig daläge. – Ob ich Beiträge dazu liefern würde, weiß ich nicht, glaub es aber kaum, da ich am liebsten allein arbeite.[103]

Wie ist's denn mit den Affichen für Wien's Ausstellung? Welche Form und Größe hast du dir gedacht? Vielleicht, wenn Zeit da, ließe sich extra Etwas machen; denn ich fürchte, die Vergrößerungen werden sehr leer aussehn.

Holz von Ettling ist gestern angekommen und der Anfang bereits gemacht.

Von deinem Bruder Max erhielt ich freundliche Auskunft über Spargelcultur. Wenn mir nur erst ein Spruchgedicht über seine Thür einfiele! Ich kann's aber wahrhaftig nicht erzwingen.

Das Münchner Manuscript ist vor einigen Tagen bereits an dich abgeschickt. – Die letzten Einlagen erhältst du hiermit zurück.

Wie geht's denn mit deinem Schwager? Ich wünsche auch um deinetwillen, daß er bald wieder hergestellt sein möge.

Herzliche Grüße!

Willem

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 103-104.
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