CLIV

[160] Der kleine liebesgott schlief auf der flur

Und bei ihm lag sein liebentflammender brand.

Ein nymphen-heer das ständige keuschheit schwur

Kam trippelnd her .. und mit der mädchenhand


Ergriff des bundes schönste diese glut

Wovon viel scharen treuer herzen warm ..

So ward der kommandant der brünstigen wut

Im schlaf entwehrt durch einer jungfrau arm.


Sie löscht ihn in dem kühlen quell anbei

Den durch dies feuer ewige hitze traf.

Er ward zum bad und heilsamer arznei

Für kranke .. doch ich meiner herrin sklav


Kam her zur kur · damit erwiesen bliebe:

Liebe heizt wasser – wasser kühlt nicht liebe.[160]


Quelle:
George, Stefan: Shakespeare. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 12, Berlin 1931, S. 160-161.
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