An einen Freund, der wegen einer ungetreuen, eitlen, verschwenderischen Frau Klage führte

[61] Du kannst dem Frühling nicht Halt gebieten

Und nicht der ungetreuen Frau.

Der Nordwind saust um deine Stirn.

Geh, geh von dannen.


Hast du Geld, so stiehlt es deine Frau.

Sie braucht zu ihrem Maulwurfmantel noch ein Biberjackett.

Zu ihrem Biberjackett noch ein Hermelin-Cape.

Hast du kein Geld, so hast du auch nicht weniger.


Hast du kein Geld, so hungerst du zuweilen;

Hast du Geld, so hungerst du immer – nach Liebe.

Deine Frau liebt dein Scheckbuch.

Wirf es ihr vor die Füße – doch nicht dich selbst.


Es schneit – es schneit –

Einst in der Laube schneite es Birnblüten über euch.

Jetzt, jetzt schneit es unbezahlte Rechnungen.

Quelle:
Klabund: Die Harfenjule. Berlin [1927], S. 61.
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