Der rumänische Räuberhauptmann Terente

[36] Ich bin Seine Majestät der Räuberhauptmann Terente

Und geruhe, im Donaudelta das Zepter eines knorrigen Eichenknüttels zu schwingen.

Ich bin der Herr der hundert Teiche

Und der Sklave der tausend Mädchen.


Eines Tages in Braila auf dem Markt

Sah ich zwei schöne Schwestern vom Erker auf mich herniederlächeln.

Eines Nachts in Braila auf dem Markt

Raubte ich sie zu ihren Geschwistern, den Wildenten, in den Donausumpf.


Ich liebe die armen Teufel, die armen Engel.

Ich habe zehn kriegsinvaliden Bettlern Leierkästen gekauft.

Sie spielen auf den Höfen in Bukarest und Konstanza

Das Lied vom Räuberhauptmann Terente.


Cojoccar und Cervusa sind Laffen gegen mich.

Man wird sie mit Recht oder Unrecht hängen.

Aber nicht hängen wird man mich, der ich hänge wild

Am Leben.


Aeroplane, kleine Kanonenboote, Maschinengewehre, Polizisten, Matrosen, Gendarmen, Soldaten sind gegen mich aufgeboten.

Ein ganzes Heer

Gegen einen.

Ich bin die Summe eurer Rechenkünste:

Ich bin euer Gesetz, das sich gegen euch wendet.

Ihr habt mich im Kriege rauben und morden gelehrt.

Ich bin euer gelehrigster Schüler, ich, Seine Majestät der Räuberhauptmann Terente.

Quelle:
Klabund: Die Harfenjule. Berlin [1927], S. 36-37.
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