Vierte Scene.

[122] Fausts Zimmer wie im ersten Acte. Es ist alles noch so wie damals geordnet. Auf dem Tische rechter Hand befindet sich unter andern Sachen das Feuergewehr und das Giftfläschchen.

Käthe und Diether Faust treten auf.


DIETHER.

Was willst du hier?

KÄTHE in einem ganz weißen Brautkleide festlich geschmückt und die Myrthenkrone im Haare.

Hier will ich ihn erwarten!

DIETHER immer tief und finster.

In seiner Werkstatt!

KÄTHE.

Dieses alte Zimmer

Blieb unverändert doch, und mahnt an's Ehmals.

DIETHER.

Dein Ton ist heut so ernst und feierlich!

KÄTHE in sich versunken.

Das Brautkleid macht's![122]

DIETHER.

Was soll denn das bedeuten?

KÄTHE.

Ach, Vater, als ich heute früh erwachte,

Da senkte mit dem Strahl der Morgensonne

Gott wunderbare Hoffnung in mein Herz!

War's doch des Faust Geburtstag, der mir anbrach,

Und ihm hatt' ich die Freude aufgespart,

Die lang verschwiegne Hoffnung zu enthüllen,

Die mich mit heil'ger Liebe fromm durchdringt.

Hoch festlich wollt' ich mich dazu bereiten,

In jenem Kleide meinen Faust begrüßen,

Worin er einst die Braut zum Altar führte,

Und so sein Herz zum voraus mir gewinnen;

Doch als der alte Schrein sich vor mir aufthat,

Fand ich – mein Todtenhemd um's Kleid gewunden;

Und jetzt erst dacht' ich an den frühern Vorsatz,

Es nur im Sarge wieder anzulegen!

DIETHER.

Das ist recht düster!

KÄTHE.

Als ich's angethan,

Durchfuhr mich auch ein so geheimer Schauer,[123]

Daß ich vor Frost am warmen Tage bebte;


Tief erschüttert.


Wär' es doch schrecklich, müßt' ich jetzo sterben!

DIETHER faßt ergriffen ihre Hand.

Mein Käthchen – bleibst bei deinem blinden Vater!

KÄTHE.

Es war nur Einbildung –


Sucht sich von dem Gedanken loszumachen.


geht schon vorüber! –

Ist doch solch froher Augenblick mir nahe!

DIETHER.

Doch welche Hoffnung, Tochter –?

KÄTHE aufglühend – sehr herzlich und dringend.

Ihm zuerst!!

DIETHER.

Mit Gott denn –! – Aber wird's bei ihm gelingen?


Hestig.


O Käthe, er –

KÄTHE mild einfallend.

Fluch' jetzt ihm nicht, mein Vater!

DIETHER wie vorher.

Doch eine Buhlerin – – hast du's gehört –?[124]

KÄTHE mit tiefer Innigkeit.

Ich werde sanst ihn wieder zu mir führen!

DIETHER sich bekämpfend.

So schweige ich!

KÄTHE.

Sein Schüler sucht ihn auf;

Gewiß, er kommt, ich ließ ihn herzlich bitten!


Faßt freundlich seine Hand.


Laß mich allein mit ihm, mein guter Vater!

Viel hab' ich zu ihm –


Sehr bewegt abbrechend.


Deines Alters Freuden,

Die ganze Zukunft, meiner Liebe Glück,

Sein ew'ges Heil beruht auf dieser Stunde!

Drum laß allein mich –

DIETHER.

Nun – mit Gott, mein Kind!

Ich will indessen drüben für dich beten!


Käthe führt den Alten zur Seite ab.


Quelle:
Klingemann, August: Faust. Ein Trauerspiel in fünf Acten. Leipzig und Altenburg 1815 [Nachdruck Wildberg 1996], S. 122-125.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt

Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt

In Paris ergötzt sich am 14. Juli 1789 ein adeliges Publikum an einer primitiven Schaupielinszenierung, die ihm suggeriert, »unter dem gefährlichsten Gesindel von Paris zu sitzen«. Als der reale Aufruhr der Revolution die Straßen von Paris erfasst, verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit. Für Schnitzler ungewöhnlich montiert der Autor im »grünen Kakadu« die Ebenen von Illusion und Wiklichkeit vor einer historischen Kulisse.

38 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon