Achtzehnter Auftritt


[602] Lelio an der Szene. Die Vorigen.


MASKARILL. Und steckte ihn an. Komm, rief er, Maskarill; mein Vater wird auf mich zürnen, und sein Zorn ist mir unerträglich. Ich will nicht länger leben, ohne ihn zu versöhnen. Er stürzte die Treppe herab, lief sporenstreichs zum Hause hinaus, und warf sich nicht weit von hier – Indem Maskarill dieses sagt, und Anselmo gegen ihn gekehrt ist, fällt ihm Lelio auf der andern Seite zu Füßen. – – zu den Füßen seines Vaters. – –

LELIO. Verzeihen Sie, liebster Vater, daß ich durch dieses Mittel versuchen wollen, ob Ihr Herz gegen mich noch einiges Mitleids fähig ist. Das Traurigste, was Sie meinetwegen besorgten, geschieht gewiß, wenn ich, ohne Vergebung[602] von Ihnen zu erhalten, von Ihren Füßen aufstehen muß. Ich bekenne, daß ich Ihrer Liebe nicht wert bin, aber ich will auch ohne dieselbe nicht leben. Jugend und Unerfahrenheit können vieles entschuldigen. – –

PHILTO. Laß dich bewegen, Anselmo.

STALENO. Auch ich bitte für ihn. Er wird sich bessern.

ANSELMO. Wenn ich das nur glauben dürfte. Steh auf! Noch will ichs einmal versuchen. Aber wo du noch einen lüderlichen Streich machst, so habe ich dir nichts vergeben, und die kleinste Ausschweifung, die du wieder begehst, soll die gewisse Strafe für alle andre nach sich ziehen.

MASKARILL. Das ist billig.

ANSELMO. Den nichtswürdigen Maskarill jage nur gleich zum Henker!

MASKARILL. Das ist unbillig! – – Doch jagen Sie mich, oder behalten Sie mich, es soll mir gleichviel sein; nur zahlen Sie mir vorher die Summe aus, die ich Ihnen schon sieben Jahr geliehen habe, und aus Großmut noch zehn Jahr leihen wollte.


Ende des Schatzes.


Quelle:
Gotthold Ephraim Lessing: Werke. Band 1, München 1970 ff., S. 602-603.
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