Evas Haar

[19] Als wie ein Feld, das erstes Licht ereilt,

sind deines Hauptes wunderblonde Wellen:

Ein sanfter Morgen scheint ihr Gold zu schwellen,

darauf der Sonne Auge zögernd weilt.


Nun flammt es auf, als käm' es Purpur malen, –

ist es der Mohn, der heimlich in ihm wohnt?

Doch wann der Abend naht mit kühlern Strahlen,

so ruht es wieder blaß, wie keuscher Mond.

Quelle:
Christian Morgenstern: Sämtliche Dichtungen. Abteilung 1, Band 7, Basel 1971–1973, S. 19.
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