1289. Das Ungeziefer im Meiental.

[179] Es ist bekannt, wie einst ein fahrender Schüler das Ungeziefer, Schlangen, Kröten, Maulwürfe (aber nicht Frösche, Eidechsen) aus der Göscheneralp in die Horwengand verbannt hat. Der nämliche hatte es auch den Bewohnern des benachbarten Meientales gegen ein »Neessli«, das ihm jede Haushaltung als Entgelt entrichten sollte, versprochen. Er nahm ein Pfeiflein, schritt talauswärts, pfiff vor sich her, und die Schlangen, Kröten, Maulwürfe folgten ihm von allen Seiten her bis auf die Schanz, wo er sie in das Steingeröll verbannte. Aber jetzt wollten die Meier den versprochenen Lohn nicht geben. Sie meinten: »Draussen sind sie, und zurückkommen tun sie nicht mehr.« Aber der fahrende Schüler sagte: »So sollen sie wieder sein, wo sie gewesen sind!« Und am nächsten Morgen war das ganze Getier wieder in Meien.


Mitgeteilt: Heinrich Gamma, Tramsekretär, von Göschener Alp.

Quelle:
Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945, S. 179.
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