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[60] Wer aller welt sorg vff sich ladt
Vnd nit gedenckt syn nutz vnd schad
Der lyd sich / ob er ettwan bad
Der ist eyn narr / der tragen will
Das jm vffheben ist zů vil
Vnd der alleyn will vnderston
Das er selb dritt nit möcht gethon1
Wer nymbt die gantz welt vff syn rück
Der felt jn eynem ougenblück[61]
Man lyßt von Alexander das
Die gantz welt jm zů enge was
Vnd schwitzt dar jnn / als ob er nit
Für synen lib genůg hett witt
Ließ doch zů letst benůgen sich
Mit sibenschůhigem erterich
Allein der dot erzeigen kan
Wo mit man můß benügen han
Diogenes vil mähtiger was
Wie wol sin bhusung was eyn faß
Vnd er nüt hatt vff aller erdt
So was doch nüt das er begerdt
Dann Alexander solt für gon
Vnd jm nit vor der sunnen ston /
Wer hohen dingen stellet noch
Der můß die schantz ouch wogen hoch
Was hülff eyn menschen das er gwynn
Die gantz welt / vnd verdurb er drynn
Was hülff dich / das der lib käm hoch
Vnd för die sel jns hellen loch /
Wer sorget ob die gänß gent bloß
Vnd fägen will all gaß vnd stroß
Vnd eben machen berg vnd tal
Der hat keyn fryd / růw / vberal
Zů vil sorg / die ist nyenan fůr
Sie machet manchen bleich vnd dürr
Der ist eyn narr der sorgt all tag
Das er doch nit gewenden mag
1 getůn Be N W
Ausgewählte Ausgaben von
Das Narrenschiff
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