Luigi Bassi, Franz Seconda

[34] Merkwürdiger Weise sah dieser dagegen zwei Veteranen der großen, alten Musikzeit, zwei Männer mit italienischen Namen, in seinem[34] Heerlager als redliche Freunde erscheinen. Es war dieß der würdige Luigi Bassi und Franz Seconda. Bassi, den der Umstand unsterblich gemacht hat, daß Mozart seinen Don Juan für den trefflichen Baritonisten schrieb, war 1815, nach einem ereignißreichen Lebenslaufe, in den Ruhehafen einer Anstellung bei der Dresdener italienischen Oper eingelaufen. Der berühmte Künstler hatte, obgleich fast 50 Jahre alt und fast ohne Stimme, durch die Noblesse seiner Gesten, die Feinheit seiner Komik und seine mimischen Talente, die Eleganz und Schönheit seines Vortrags, das Publikum in allen Schichten für sich gewonnen. Es ist Morlacchi's Verdienst, die Verwerthung seiner immensen Bühnenkenntniß und Erfahrung, seines Geschmacks und Ordnertalents angebahnt zu haben, indem er 1816 seine Verwendung als Regisseur der italienischen Oper bewirkte.

Der alte Franz Seconda, der 40 Jahre lang als Impresario zwischen Leipzig und Dresden mit seiner Truppe hin und her wandernd, den vierten Theil seines Lebens auf der Landstraße sich mit zeternden Schauspielerinnen, schimpfenden Fuhrleuten, hochmüthigen Comödianten herumgeschlagen hatte, der von den Russen als Spion von Leipzig nach Dresden geschleppt worden war und dessen Contrakt sie annullirt hatten, war, bei Organisation des Hoftheaters 1815, zum Oekonomen desselben gemacht worden. Er war der Mann der Reminiscenz, selbst halb verwundert in die neue Zeit herüberragend. Mit Stutzperrücke, Schnallenschuh und Kniehose sah man den kleinen, alten Herrn in Wind und Wetter täglich nach dem Theater, seiner Welt, seinem Alles, wandern. Bekannt und intim mit Kammerfrauen und Kammerdienern, servil und grob, je nachdem das Gnadenlicht diejenigen umschimmerte, mit denen er verkehrte, zum Typus eines sächsischen Subalternbeamten damaliger Zeit geworden, galt er für einen einflußreichen, wohl gelittenen Mann.

Diese beiden, ungemein verschiedenen Männer näherten sich Weber auch aus verschiedenen Motiven, beide aber reichten ihm und seinem redlichen Streben, wieder aus verschiedenen Gründen, den starken Stab ihrer Personalkenntniß und Ortserfahrung zur kräftigen Stütze.

Quelle:
Weber, Max Maria von: Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild. Band 2, Leipzig: Ernst Keil, 1866, S. 34-35.
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