Morgen-Lied

[190] Sieh, es sind die finstern Stunden

Abermahl verschwunden.

Schwinge dich mit deinen Sinnen,

Eh sie anders was beginnen,

Seele, zu den Himmels-Zinnen!


Gott, von dem das Licht entsprungen,

Dir sey Danck gesungen,

Daß du mich vor Noth und Schrecken

Wollen durch dein Heer bedecken,

Und itzt aus dem Schlaff erwecken.


Meinen Leib und mein Gemüthe

Will ich deiner Güte

Wohlgemeint zum Opffer schencken,

Daß du magst mein Thun und Dencken,

Wie es dir gefällig, lencken.


Was ich sonst, als deine Gabe,

Noch auf Erden habe,

An Vermögen, Glück und Ehren,

Mag sich mindern oder mehren,

Du wirst mirs zum besten kehren.

Quelle:
Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz, Kritische Ausgabe: Gedichte, Tübingen 1982, S. 190.
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