CXXVII

[133] In alter zeit hielt man nicht schwarz für fein

Und wenn · so trug es nicht der schönheit nam ..

Nun sezt sich schwarz als schönheitserben ein

Und schönheit leidet schimpf und bastard-scham.


Denn da sich Jeder kraft der schöpfung stahl ·

Aus kunst und borg · aus schlechtem schönes schuf:

Fehlt süsser schönheit nam und heiliger saal ..

Sie ist entweiht und lebt gar in verruf.


Drum · herrin · hast du haare schwarz wie nacht

Und augen so – und sie sind traurern gleich

Da man · nicht schön von art · sich schönheit macht ·

Mit falschem prunk beschimpft das erdenreich.


Doch · da sie trauern · ziert so ihre pein

Dass jeder ausruft: schönheit muss so sein![133]


Quelle:
George, Stefan: Shakespeare. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 12, Berlin 1931, S. 133-134.
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