XVI

[22] Was zahlst du nicht mit mächtigerem schlage

Der Zeit · dem blutigen tyrannen · heim?

Was stärkst du dich nicht für die niederlage

Heilsamer als durch meinen dürren reim?


Du blickst herab von seliger stunden hang:

Und manch jungfräulich unbebaut gefild

Trüge dein lebend grün mit keuschem drang

Das mehr dir gleicht als dein gemaltes bild.


DEM leben bringe lebens zug gewinn

Das schrift der Zeit nicht noch mein schülerstift –

Um zu erhalten dich im menschensinn –

An innrem wert und äussrer schöne trifft.


Gibst du dich weg · erhältst du dich zurück:

Leb durch dein eignes süsses meisterstück.[22]


Quelle:
George, Stefan: Shakespeare. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 12, Berlin 1931, S. 22-23.
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