e.

[385] Zwei Arbeiter waren zusammen in Holland beim Grasmähen. Der eine, welcher dem Anscheine nach ein Schwächling war, hatte eine Sense, mit der konnte er alles mit leichter Mühe mähen und brauchte gar nicht einmal zu streichen. Der stärkere mußte sich quälen und konnte es doch dem andern nicht halten. Der stärkere hatte den schwächeren schon oft nach der Ursache gefragt; dieser wollte es lange nicht sagen, aber zuletzt erzählte er ihm, seine Frau habe zu Hause die Sense gestrichen und ihm gesagt, nun solle er nur hingehen, er brauche weiter nichts mitzunehmen, denn er könne jetzt alles abmähen, was ihm vorkomme. Da wollte der andere es doch noch einmal versuchen und steckte heimlich sein Haarspit in das Gras; als jener aber daran kam, schnitt er leicht hindurch, doch sagte er: »Hier sind harte Stickeln.« Da wurde sein Kamerad sehr traurig. Denn er mußte schwitzen vom Morgen bis zum Abend, und jener konnte es so leicht und ohne Mühe. Deshalb klagte er es einem Freunde, daß er mit so einem, dessen Frau gewiß hexen könne, hier zusammengekommen sei, und daß er es gegen diesen nicht mehr aushalten könne, er müsse weg, denn er könne nicht mehr. Da sagte dieser, er habe früher schon bei demselben Bauern gearbeitet[385] und er glaube, dessen Frau könne alle Künste; die solle er um Rat fragen, die werde ihm gewiß helfen. Das tat er nun; da sagte die Frau, das hätte er ihr nur eher sagen sollen, und gab ihm den Rat, er solle heimlich, daß der andere es nicht sehe, dessen Sense untersuchen. In dem Sensenbaum sei ein Loch, das zugepfropft sei, diesen Pfropfen solle er nur herausziehen, dann könne er es dem andern wohl halten. Als nun der Mann die Sense untersuchte, fand er im Baume einen kleinen Pfropfen, und so wie er diesen herauszog, flog eine schwarze Fliege heraus. Als sie nun wieder anfingen zu mähen, konnte der schwächere nichts mehr anfangen, denn so viel Mühe er sich auch gab, seine Sense wollte nicht mehr schneiden (Visbek und ganz ähnlich Bockhorn). – Im Jahre 1721 fand man bei dem rasch auf einander erfolgten Tode zweier Eheleute zu Hayenwärfe, Ksp. Rodenkirchen, in deren Nachlaß eine verschlossene Kruke, in welcher sich eine große Fliege befand. Man sagte in der Gemeinde, wie die Prediger berichteten, diese Fliege sei ein spiritus familiaris, welchen die verstorbenen Eheleute zu dem Ende gehabt, daß sie viele Butter von ihren Kühen machen könnten. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, deren Resultat unbekannt ist. Die Akte ist abgedruckt im »Gesellschafter, oldenburgischer Hauskalender für das Jahr 1856«, S. 57.

Quelle:
Ludwig Strackerjan: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg 1–2, Band 1, Oldenburg 21909, S. CCCLXXXV385-CCCLXXXVI386.
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