Hertzliches Lob- und Danklied nach erlangetem güldenen Friede und geendigtem Bluhtgierigem Kriegswesen

[230] Dises kan gesungen werden auf die Melodei des schönen Lides: Nun freüet eüch, liebe Christen, gemein.


1.

Nun ist die längst begehrte Zeit

Des Dankens einmahl kommen,

Da wir mit höchster Fröligkeit

Die guhte Mähr vernommen,

Daß Friede, der gewünschte Schatz,

Sol wiedrüm treten auf den Platz

Zum Nutz und Trost der Frommen.


2.

O grosser Gott, nun wollen wir

Dich unaufhörlich loben,

Daß du die güldne FriedensZier'

Uns wieder gibst von oben.

Wir rühmen billig deine Macht,

Welch' uns so gnädig hat bewacht

Für aller Feinde Toben.


3.

Ihr Völker, danket unserm Gott,

Frolokket Ihm mit Händen,

Lobsingt dem HERREN Zebaoht

An allem Ohrt' und Enden:

Luft, Erd' und Wasser überall

Erheben Ihn mit süssem Schall',

Er kan den Frieden senden.


4.

Des HERREN Aug' hat angesehn

Das Elend der Verjagten:

Im Friede wil Er lassen stehn

Nun wiedrüm die Geplagten.

Der schnöde Krieg ist schon dahin,

Nur Friede bleibt uns zum Gewin,

Seid freüdig, Ihr Verzagten!


5.

Ach Gott, wen wir bedenken nur

Den außgestandnen Jammer,

Der uns fast täglich wiederfuhr,

Alß uns des KriegesHammer

Zermalmete schier alle Stund',

Alsden so zittert uns der Mund

Mit traurigem Gestammer.


6.

Mein Hertz, das bricht mit Seüftzen auß,

Die Lippen sind vol Klagen,

Ich beb', als müst' Ich einen Strauß

Aufs neüe gleichsahm wagen,

Ja meine Glieder waklen sehr,

Das Elend könten sie nicht mehr

Für Mattigkeit ertragen.


7.

Vol Jammers hast du uns gemacht,

Mit GallenWein getränket,

Dein Grimm hat in der KriegesNacht

Uns gäntzlich schier versenket,

Demnach der Waffen Zwang und List,

Die schwehrlich zu beschreiben ist,

So grausahm uns gekränket.


8.

Der Feind verzehrt uns gantz und gahr

Das hochbemühte Leben,

Daß anders nichts als Seüfftzen war,

Ja mit dem Tod' ümgeben.

Der Krieg gebahr uns Hungersnoht,

Schenkt uns die Waffen vor das Brod,

Auch Pestilentz daneben.


9.

Nun aber geht uns wiedrum auf

Das Sonnenliecht der Freüden,

Es muß der Krieg mit schnellem Lauf'

Auß unsern Grentzen scheiden:

Nun wandlen wir den Friedenssteg,

Des Himmels Gühte nimt hinweg

Das lang gehegte Leiden.
[230]

10.

Nun heben wir mit Hertzenslust

Zu dir, Herr, unser Augen,

Wir, die wir an der süssen Brust

Des güldnen Friedens Saugen.

Ach müchten wir, du grosser Gott,

Gehorsahmlich auch dein Geboht

Dafür zu halten taugen!


11.

Wie gnädig ward doch unser Bitt',

O Vatter, angenommen!

Die Noht, welch' uns das Hertz zerschnitt',

Ist bald für dich gekommen.

Das Retten war dir nicht zu schwehr,

Du hast gestilt das KriegesMeer,

In welchem wir geschwommen.


12.

Nun sol mein Mund verschweigen nicht,

Waß du für Hülff' erwiesen,

Alß uns, O Gott, auf dein Gericht

Die Kriegeswind' anbliesen.

Den nun ist hin die böse Zeit,

Wir leben itzt in Sicherheit.

Mein Gott, sei hoch gepriesen.


13.

Einst aber hett' Ich hertzlich gern,

Das lass' auch dir gefallen,

Daß ja der Fried hinfohrt nicht fern

Zum Lande müg außwallen.

Den Fried ist lauter Freüd und Lust,

Ergetzligkeit, Guht, Ehr und Rust,

Der höchste Schatz von Allen.


14.

Ach HERR, wir wollen unser Brod

Im Schweiß ja gern erwerben,

Laß aber durch die Kriegesnoht

Hinfohrt uns nicht verderben.

Du bist ja selbst der FriedensMann,

Drüm schau auch uns mit Frieden an,

Uns, deine FriedensErben.


15.

Gib sichern Fried', erhalt Ihn auch,

O Gott, in deinem Lande,

Doch daß man Seiner auch gebrauch'

Ohn' Aergerniß und Schande,

Daß Jederman zur FriedensZeit

Zu dienen dir stets sei bereit

In seinem Lauff' und Stande.


Quelle:
A. Fischer / W. Tümpel: Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts, Band 2, Hildesheim 1964, S. 230-231.
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