[654] Gehirn (Encephălum), das innerhalb der Schädelhöhle gelegene Zentralorgan des Nervensystems [Tafel: Nervensystem I], der Sitz der Intelligenz und der psychischen Tätigkeiten, sowie das Zentrum für die Sinnesempfindungen und willkürlichen Bewegungen, eine fast breiartige Masse, bestehend aus der innern weißen oder Marksubstanz und der äußern grauen oder Rindensubstanz, enthält im Innern vier mit wässeriger Flüssigkeit erfüllte Höhlen, die sog. Hirnventrikel, ist von drei Häuten, der weichen Hirnhaut (Pia mater), der Spinnwebenhaut (Arachnoidĕa) und der den Schädelknochen dicht anliegenden harten Hirnhaut (Dura mater), schützend umschlossen und wird eingeteilt in das große G. (Cerĕbrum), im obern und vordern Teil des Schädels, 7/8 der ganzen Masse des G. umfassend, mit zahlreichen Windungen an der Oberfläche, das kleine G. (Cerebellum), im Hinterkopf, im Durchschnitt eine baumähnliche Figur (Lebensbaum, Arbor vitae) zeigend, und das beide verbindende Mittelhirn (Mesencephălum), das mit dem verlängerten Mark (Medulla oblongāta) ins Rückenmark übergeht. Von der Basis des G. gehen zwölf Nervenpaare (Gehirnnerven) aus (Riech-, Seh-, dreigeteilter, Gesichts-, Gehör-, Lungenmagennerv u.a.). – Vgl. Retzius (2 Tle., 1897), Wernicke (Atlas, 1896-1900), Edinger (Bd. 1, 7. Aufl. 1904; Bd. 2, 6. Aufl. 1904), Villiger (1905); über Krankheiten des G.: von Monakow (2. Aufl., 2 Bde., 1905).