|
[677] Ein Gebetpsalm, Daß Gott bei seinem reynen Wort vnd dienst erhalten, der falschen lehr, vnd Tyrannen wehren wölle.
1.
Herr, wenn ich rüff, erhör mein stimm,
mit hülff wöllst dich herfügen!
Mein flehlich bitt, O HERR, vernimm,
mein gbet vor dir müß tügen[677]
Wie ein rawch opffer frü vnd spat,
welchs stracks hinauff gen himel gath,
da zu mein hend auffheben.
2.
Bewar mein mund, mein hertz vnd sinn
vor der Gottlosen lere,
Daß ich zu jn nicht fall dahin,
mich zu jr boßheyt kere,
Nicht mit den vbelthätern eß
vnd deines Worts dabei vergeß,
schendtlich nur jn zu leben.
3.
Wann mich der grecht hie freuntlich strafft,
das würt mich baß erfrewen
Dann der thewr edle Balsam safft,
dann ich mich stedts muß schewen
Daß mir der Gottloß je nicht schad
mit seiner bösen that vnd rath,
da für ich jmmer bette.
4.
Gib, daß jr lehr gestürtzet werd,
vnd jren halß müß brechen
Vom fels oben herab zur erd,
jr hoffart wöllstu rechen,
Daß jedermann erkenn darbei,
daß mein lehr lieblich, freuntlich sei,
die seel vom tod errette.
5.
Werden wir drumb zerstrewet hie,
zerwület vnd zerrissen,
So hastu dennoch acht auff die
die deins Worts sind geflissen,
Vnd wer auff deine gnad vertrawt,
gar fest auff dein verheyssung bawt,
den wirstu nicht verstossen.
6.
Bewar mich vor der bösen strick,
vor der Gottlosen fallen,
Laß in jr netz im augenblick
all mit einander fallen:
Ich aber mög fürüber gehn,
an deiner lehr vnd wort bestehn,
von dir nit werd verlassen.
7.
So wil ich dir ein freuden lied
für alle wolthat singen,
Wann mich dein handt vor jn behüt,
daß sie mich nit bezwingen,
Vnd mich durch deiner gnaden trost
von allem vnfal hast erlost,
wil mich dein Ewig frewen.
Buchempfehlung
»Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.« Adolph Freiherr von Knigge
276 Seiten, 9.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro