Borkentier

[229] Borkentier (Stellers Seekuh, Halicore Stelleri Cuv., Rhytina Stelleri Cuv.), ein Waltier aus der Unterordnung der Sirenen oder Seekühe, 10 m lang, mit rissiger, haarloser Haut, zahnlosen Kiefern, aber jederseits oben und unten mit einer festen, hornigen Kauplatte, sehr kleinen Augen, ohne äußeres Ohr und mit großen, schwieligen, unten mit vielen kurzen Borsten dicht besetzten Brustflossen. Die Schwanzflosse war halbmondförmig. Das B. wurde von Steller in der Beringstraße nahe der amerikanischen Küste 1741 entdeckt, es lebte herdenweise im Meer, fraß Meergras oder Tang und wurde wegen seiner Schwerfälligkeit leicht gefangen. Die Kamtschadalen und Tschuktschen machten Kähne aus der Haut und benutzten das Fett zu ihren Speisen und als Leuchtmaterial. Das Fleisch war gröber als Rindfleisch, aber, besonders das der Kälber, von gutem Geschmack. Angelockt durch Stellers Bericht über das B., strömten die Walfänger nach der Beringsee und richteten derartige Schlächtereien unter den Tieren an, daß das letzte Exemplar 1768 gesehen wurde. Vgl. Brandt: Über den Zahnbau der Stellerschen Seekuh (Petersb. 1833), Symbolae sirenologicae (das. 1845–68), Über Verbreitung und Vertilgung der Stellerschen Seekuh (Petersb. u. Moskau 1865–68).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 229.
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