Fünfter Auftritt.

[13] Mortong ganz ausser Athem.


KULICAN aengstig.

Was bringst du Groß-vezier?[13]

MORTONG.

Mein König! dein Verlangen,

Geht alles glücklich fort, die Feinde seynd gefangen.

Der Feld-herr Sigelvax ist selbst in meiner Hand,

Ich bringe grosse Beut aus diesem reichen Land.

Viel Wägen voll mit Gold, beladne Elephanten,

Nebst Löwen, Panterthier seynd auch mit mir vorhanden.

Bier, Haber, Wein, und Stroh, und letztlich macht den Schluß

Ein Bär, ein Weib, ein Kind, und ein Rhinocerus.

KULICAN.

Komm her, umarme mich, du Kern der tapfern Helden,

Das Erzt wird Lob von dir, wie auch der Marmor melden.

MORTONG.

Herr! mir war Angst dabey, dann es gieng hitzig zu.

KULICAN.

Das glaub ich herzlich gern, nun stelle mich zu Ruh.

Und lasse mir die Beut, und deinen Einzug schauen.

MORTONG.

Das soll sogleich geschehen.


Lauft ab.


PUMPHIA.

O weh! mir armen Frauen.

Nun kommt ein neuer Streich, der mir das Herze bricht.


Weinet.


KULICAN.

Wie, Pumphia! du weinst?

PUMPHIA.

Ja, etwann vielleicht nicht,

Da deine Grausamkeit mein ganzes Land verzehret,

KULICAN.

Nichts ist in meiner Macht, was dir nicht zugehöret,

Da du mein treues Herz in deinen Händen hast,

So ist dein ganzes Reich mir eine Uberlast.

Was mein ist, bleibet dein.

PUMPHIA.

Ey! ich bin dir verbunden,

Du gibst die Haut zurück, die du mir abgeschunden.

Du wilder böser Mann[14]

KULICAN.

Gedult, es kommt die Zeit,

Die dir dein Ungemach verkehren wird in Freud.

PUMPHIA.

Das glaub ich nimmermehr.

KULICAN.

Genug, es soll geschehen,

Jetzt wollen wir mit Lust des Mortongs Einzug sehen.

Macht, daß man (euch) für mich etwas zum Sitzen giebt,


Die Soldaten geben Kulican einen Sessel an die Seiten, dieser setzet sich geschwind, und sagt zu Pumphia.


Du aber setze dich, wohin es dir beliebt.


Pumphia, da sie keinen Sitz siehet, setzet sie sich neben Kulican auf die Erde.


Quelle:
Joseph Kurz: Prinzessin Pumphia. Wien 1883, S. 13-15.
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