Stahlkammern

[597] Stahlkammern. – Ebenso wie beim Geldschrankbau (vgl. Geldschränke) wurde bei den neuzeitlichen Stahlkammern der Bauweise der Tür ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet, weil diese in erster Reihe verbrecherischen Angriffen ausgesetzt sein wird, ohne aber die zweckmäßige Sicherung der Wände zu vernachlässigen. Selbst die kleinsten Anlagen dieser Art werden mit einem Wächtergang umgeben, der häufig in Verbindung gebracht wird mit dem von den Kunden benutzten Vorraum (Fig. 1). Zum Zwecke unbeobachteter Ordnung der Papiere seitens der Kunden werden außer Fernsprechanschlüssen noch Kundenkabinen eingerichtet, die beleuchtet sein müssen. Getrennt von dem Kundenraum wird ein Banktresor und ein Raum zum Aufbewahren von hinterlegten Wertkoffern und -kisten unter besonderem Verschluß vorgesehen. Den neuzeitlichen Anforderungen entsprechend, werden die Umfaflungswände 60–100 cm stark in doppelhauptigen Beton 1 : 1 : 1 hergestellt, mit einer Einlage von[597] meist kreuzförmigen gehärteten Stahlstäben (Fig. 2). Die 150 mm Mitte zur Mitte liegenden gewundenen Stäbe an den Stoßstellen durch Stahlmuffen verbunden und durch ein Gerüst von Stahlkammern-Eisen versteift, bilden einen Panzerkorb, der auch gegen Erdbeben unzerstörbar ist. An Stelle dieses Gitterwerkes oder bei sehr großen Anlagen wird auch häufig eine Armierung mittels Eisenbahnschienen (Fig. 3) angewendet. Fußboden und Decke durch Stahleinlagen mit gekreuzten Stäben aus Stahlkammern-Eisen müssen besonders widerstandsfähig und sorgfältig ausgeführt werden. Selbstverständlich muß das zuverlässigste Bauwerk die Stahlkammertür (Fig. 4) sein, welche Eisenstärken bis zu 350 mm bei einer Gesamtstärke von 500 bis 600 mm und ein Gewicht bis zu 10000 kg aufweist. Die Stahlkammertüren (Fig. 5) werden nach denselben Grundsätzen zusammengesetzt wie einwandfreie Geldschranktüren aus Siemens-Martinstahl, Nickelstahlplatten, Chromstahl, Compoundplatten, welche weder gebohrt noch zertrümmert werden können und auch der Zerstörung mittels Schneidebrenner und Thermit den größten Widerstand entgegensetzen. Hinter diesen die ganze Türfläche schützenden Platten, noch besonders geschützt durch vorgelagerte äußerst starke Platten, liegen Schloß und Riegelwerk, wobei nun fast überall die Fernschlösser mit dem zweiteiligen Schlüssel (vgl. d. Art. Schloß) zur Verwendung kommen. Die meisten Sonderfirmen für Stahlkammerbau verwenden außerdem noch Notverriegelungen, die beim Durchschmelzen einzelner Sperrteile Sperrkloben selbsttätig auslösen, so daß ein Zurückziehen des Riegelwerkes vollständig ausgeschlossen ist. Große Stahlkammern werden außerdem noch mit Nottüren versehen, deren Lage- den örtlichen Verhältnissen angepaßt wird, in Bauart und Stärke der Haupttür entsprechen und als Mannlochtür (500 × 400 mm) äußerlich verborgen, nur wenigen Vertrauenspersonen bekannt, eingebaut werden. Die Luftzuführung bei nicht mit Fenstern versehenen Stahlkammern erfolgt durch eingebaute gepanzerte Luftkanäle (Fig. 6) unter Benutzung elektrisch angetriebener Ventilatoren. Können Fenster eingebaut werden, so müssen deren Oeffnungen, 1,20 × 0,8 m, bei der Nacht durch kräftige, nach innen schlagende Fensterladen (Fig. 7) geschützt werden, welche ebenso gebaut sind wie die Stahlkammertüren. Nach außen sind die Fensteröffnungen und Glasscheiben durch sehr starke Gitter geschützt. Die Beleuchtung erfolgt fast ausnahmslos elektrisch unter Vermittlung von Steckkontakt und Kabel, welche nur durch die geöffnete Tür geleitet werden können. Den Anforderungen der Stahlkammern entsprechend müssen dieselben innen durch die erforderliche Anzahl von vermietbaren Stahlfächern in verschiedener Größe ausgestattet sein. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Verschluß dieser Stahlfächer gewidmet; meistens wird ein Doppelverschluß vorgesehen, so daß ein Oeffnen nur unter Mitwirkung eines aufsichtführenden Bankbeamten erfolgen kann.


Literatur: Hoch, Jul., Geldschrank- und Stahlkammerribau. Dresden 1917; Panzer-A.-G., Berlin N 20, Das Bankgewölbe und seine Sicherung.

Hoch.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5., Fig. 6.
Fig. 5., Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 7.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 597-598.
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