Osmose

[783] Osmose. Allgemeine Erklärung s. Endosmose.

Befindet sich die Lösung irgendeines Stoffes mit einer solchen von andrer Konzentration oder dem reinen Lösungsmittel in Berührung, so äußert sich ein Bestreben des gelösten Stoffes, seine Konzentration über das ganze System auszugleichen, welches, wenn dieser Ausgleich ungehindert vonstatten gehen kann, als Diffusion (s.d.) (auch Hydrodiffusion genannt) zur Geltung kommt. Wird der Ausgleich jedoch durch eine Wand (s. Niederschlagsmembran) verhindert, welche zwar dem Lösungsmittel, nicht aber dem gelösten Stoff den Durchtritt gestattet, so wandert das Lösungsmittel zu der konzentrierten Lösung und verdünnt diese entweder bis zur Ausgleichung der Konzentration oder, bei beschränktem Volum der stärkeren Lösung so weit, bis in diesem Volum ein gewisser, der Konzentration des gelösten Stoffes proportionaler Druck erreicht ist, der (gegen das reine Lösungsmittel gemessen), als osmotischer Druck bezeichnet wird. Dieser ist [1] genau gleich dem Druck, den dieselbe Menge des gelösten Stoffes im Gaszustand (nach dem Avogadroschen Gesetz [s. Gase]) ausüben würde, wenn sie sich in dem von der Lösung eingenommenen Raum befände. Grenzt eine Lösung mit dem Lösungsmittel (z.B. Wasser) nicht vermittelst einer sogenannten halbdurchlässigen Membran (die nur dem letzteren den Durchgang gestattet) zusammen, sondern vermittelst einer gewöhnlichen (Pergament, Fischblase u.s.w.), welche sowohl Lösungsmittel wie die gelösten Kristalloide durchtreten läßt, so diffundieren letztere durch die Membran aus der Lösung heraus, und in dieser bleiben nur noch gelöste Kolloide (s.d.) zurück, welche solche Membranen nicht passieren können und durch eine solche Osmose von den Kristalloiden zu trennen sind (s. Dialyse und Dialysator) [2]. – Salze, überhaupt Elektrolyte, durchwandern unter dem Einfluß des galvanischen Stroms ziemlich ungehindert Pergament-, Gelatine- und andre Membrane aus wassergequollenen Kolloidstoffen und ihre Ionenbestandteile können daher der Stromrichtung entsprechend überführt werden. Ferner wandern Kolloidstoffe je nach ihrer Natur zu der positiven oder der negativen Elektrode eines in ihre Lösung tauchenden Polpaares und können so unter Umständen voneinander getrennt oder aus der Lösung niedergeschlagen werden (Elektroosmose).


Literatur: [1] van't Hoff, Zeitschr. f. physikalische Chemie 1887,1, 481. – [2] Nernst, Theoretische Chemie, 4. Aufl., Stuttgart 1903; Ostwald, Lehrbuch der allgemeinen Chemie, Bd. 1, 2. Aufl., Leipzig 1891.

Abegg.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 783.
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