[429] Meridiankreis. Zu Bd. 6, S. 365, ist ergänzend die Darstellung eines der neuesten Instrumente dieser Art hinzuzufügen, welches für die Sternwarte in Kiel von Repsold & Söhne in Hamburg gebaut worden ist. Bei der Konstruktion und der Aufteilung dieses Instruments sind alle in den letzten Dezennien gemachten Erfahrungen berücksichtigt worden.[429]
Fig. 1 gibt einen Anblick des Meridiankreises selbst und Fig. 2 und 3 lassen die Aufteilung in dem besonders konstruierten Beobachtungshaus erkennen. Die Hauptpfeiler für das Instrument und diejenigen, für die Nebenapparate: Kollimatoren, Uhr u.s.w., ruhen gemeinsam auf einem großen, aus Ziegelsteinen aufgemauerten, 8 m langen, 6 m breiten, 31/2 m hohen Fundament, welches, abgesehen von einigen für Aequilibriumsgewichte und für die Austrocknung freigelassenen Kanälen, massiv gehalten ist. Die Grundmauern für das das Instrument schützende Gebäude sind ganz frei von dem Pfeilerblock und tragen die Führungsbahnen für die nach Osten und Wetten auseinanderschiebbaren Dachteile. Der so gebildete Spalt hat eine Breite von 3 m, er läßt möglichst freie Luftzirkulation im Beobachtungsraume zu, die außerdem noch durch Ventilatoren unterstützt wird. Gegen Sonnenstrahlung kann das Instrument durch einen den Spalt nach Bedarf abschließenden Rollvorhang geschützt werden. Um die Temperaturschichtung, die etwa übrigbleiben könnte, für die Refraktionswirkung so viel als nur möglich noch unschädlich zu machen, ist für die Form des Gebäudes die Gestalt eines Halbzylinders (wie das schon früher geschehen ist) gewählt worden, in dessen Achse sich die Achse des Meridiankreises befindet (Fig. 3). Das Instrument selbst ist wegen der zu erwartenden größeren Fertigkeit aus Stahl hergestellt, die beiden Hälften des Fernrohres aus Mannesmannrohren, die sich, soweit bisher bekannt, sehr gut bewährt haben. In die gußeisernen Kreise sind zur Aufnahme der Teilungen Nickelstreifen eingehämmert. Das Ziehen der seinen Striche ist auf Nickelmetall allerdings schwieriger als auf dem sonst in Verbindung mit Messingkreisen gebräuchlichen Silber, aber das Verhältnis der Ausdehnungskoeffizienten Eisen zu Nickel ist mit 1 : 1,2 das günstigere, wenn auch zwischen Messing und Silber dasselbe nur 1 : 1,1 beträgt. Nickel ist aber auch wegen der weniger der Oxydation ausgesetzten Oberfläche und wegen seiner größeren Härte vorzuziehen. An Stelle des früher noch vielfach zur Bestimmung der Achsenneigung verwendeten Niveaus sind ausschließlich Quecksilberoberflächen als Horizonte verwendet. Die Konstruktion der Umlegevorrichtung läßt Fig. 1 gut erkennen. Es kann bei diesem Vorgang, welcher nur wenig über 1 Minute in Anspruch nimmt, das Instrument zwischen den Pfeilern verbleiben, und alle Erschütterungen desselben sind dabei vermieden. Der. Würfel des Instruments[430] hat 380 mm Seitenlänge und trägt die beiden Rohrhälften und die Achsenkonen, die mit breiten Flanschen und je 14 Schrauben abgesetzt sind. Die freie Oeffnung des Objektivs ist 217 mm bei 3000 mm Brennweite. Objektiv und Okularkopf sind miteinander vertauschbar, um den Einfluß der Biegung der Rohrhälften auf die Beobachtungsresultate zu eliminieren. Die Fassung des Objektivs, bestehend aus einer nach außen liegenden bikonvexen Kronglas- und einer konkav-konvexen Flintglaslinse, ist aus Stahl hergestellt; die Linse liegt gegen drei Schräubchen an und wird seitlich durch eine entsprechend regulierbare Sender gehalten, so daß in den verschiedenen Zenitdistanzen keine Verschiebung der Linsen gegen die Fassung eintreten kann. Der Okularkopf trägt das nach der Repsoldschen Methode konstruierte Mikrometer mit unpersönlicher Fadenbewegung (vgl. Zeit, Bd. 8, S. 978). Auch die Bewegungseinrichtungen und Vorrichtungen zum Schütze des Instruments gegen die Einflüsse der Strahlung und der Körperwärme des Beobachters haben mannigfache Verbesserungen erfahren, auf die aber hier nicht des näheren eingegangen werden kann. Vielmehr muß wegen dieser Einzelheiten auf die ausführliche Beschreibung in der Originalpublikation verwiesen werden, soweit sie nicht unmittelbar aus Fig. 13 ersichtlich sind [1].
Literatur: [1] P. Harzer, Astronomische Beobachtungen auf der Sternwarte zu Kiel: Beschreibung des neuen Meridiankreises, Leipzig 1905.
L. Ambronn.
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