Klima [1]

[510] Klima, der jährliche Verlauf der Witterung über einem kleineren oder größeren Gebiet, als ein Ganzes aufgefaßt. Das Klima ist konstant, d.h. von der Zeit unabhängig und steht insofern im Gegensatz zu der Witterung oder dem Wetter, das durch den steten Wechsel der Vorgänge in der Atmosphäre steter Veränderung unterworfen ist und mit all seinen Verschiedenheiten eben das Klima ausmacht.[510]

Zumal geologische Forschungen lassen auf mehrfache und in entgegengesetztem Sinne erfolgte Umwälzungen des Klimas seit dem Erstarren der Erdoberfläche schließen, doch sind generelle Umwälzungen des Klimas innerhalb unsrer Zeitrechnung als kaum mit Sicherheit nachgewiesen anzusehen. Anderseits darf wohl angenommen werden, daß gewisse lokale Veränderungen des Klimas in kleineren Gebieten durch Menschenhand, Ausrodung von Wäldern, Austrocknung von Sümpfen u.s.w. herbeigeführt worden sind. – Temperatur, Niederschläge, Feuchtigkeit der Luft und die Winde bauen das Klima auf, und zwar zumal die Wärme der Luft, so daß wir nach dem Sonnenstand drei Haupttypen des Klimas: Tropenklima, gemäßigtes Klima und Polarklima nebst der Uebergangsform des Subtropenklimas, unterscheiden, welch erstere wesentlich mit den gleichnamigen geographischen Zonen zusammenfallen.

Das tropische Klima ist durch die große Regelmäßigkeit der Erscheinungen charakterisiert. Bei zweimal im Jahre eintretendem höchstem und niedrigstem Sonnenstand sind die zugestrahlten Wärmemengen im einzelnen wenig verschieden und ist die meist nur geringe tägliche und jährliche Schwankungen zeigende Temperatur abhängig von der Größe der Bewölkung, somit am niedrigsten während der trüben Regenzeiten, die vielfach mit dem höchsten Sonnenstand zusammenfallen, am höchsten zur Zeit, wo die Bewölkung am geringsten ist, also vielfach bei niedrigstem Sonnenstand. Die Jahreszeiten bestehen hier in dem Wechsel der Trocken- und Regenzeiten.

Das gemäßigte Klima ist das Klima des Veränderlichen; unperiodische Erscheinungen überdecken häufig die periodischen. Frühling, Sommer, Herbst und Winter wechseln hier als vier typische Jahreszeiten miteinander ab; es fehlt die lange Dauer hoher Kältegrade im Winter wie die anhaltende tropische Hitze im Sommer. Es ist dies das dem Menschen in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung am meisten zusagende Klima.

Das polare Klima herrscht jenseits der Polarkreise; der sechsmonatige Winter wird dadurch verlängert, daß nach seinem Ablauf die Sonnenwärme zunächst zum Schmelzen von Schnee und Eis aufgezehrt wird, so daß auf einen beinahe neunmonatigen Winter nur eine kurze wärmere Zeit folgt; die Temperatur steigt dann sprungweise und sinkt späterhin langsamer gegen den Winter hin. Der Winter des polaren Klimas ist meist arm an Niederschlägen, im Zusammenhang mit dem geringen Wassergehalt der Luft.

Die Subtropenklimazone ist der südliche Teil der gemäßigten Klimazone und umfaßt in der Alten Welt das Mittelmeerbecken, wesentlich charakterisiert durch regenarmen Sommer, während der größte Teil der Niederschläge im Winter oder Herbst und Frühling fällt.

Soweit das Klima nur von der Menge der Sonnenstrahlung als Funktion der geographischen Breite abhängig ist, bezeichnet man es als solares Klima; dieses würde auf der Erde herrschen, falls sie ganz vom Festland ohne Vertiefungen und Erhebungen eingenommen würde und die Atmosphäre fehlte.

Als Gegensätze kennen wir das kontinentale Klima im Innern der Kontinente, ausgezeichnet durch große Schwankungen der Temperatur, und das maritime Klima auf den Meeren und zum Teil über den Ufergebieten, wo geringere Temperaturschwankungen im täglichen und jährlichen Gange herrschen. Ein ähnlicher Gegensatz besteht zwischen dem Klima der Ebene und dem Höhenklima, der im allgemeinen mit der Erhebung über den Meeresspiegel zunimmt. Ein bedeutender Gegensatz besteht zwischen dem Osten und Werten der Kontinente Europa und Asien, indem bei gleicher Breite das Ostufer bei weitem strengere Winter und wärmere Sommer besitzt als die westlichen Gestade, bedingt durch die von diesen Kontinenten hervorgerufenen Windsysteme.

Weitere, das Klima größerer oder kleinerer Gebiete stark beeinflussende Faktoren sind die Meeresströmungen – so mildern der Golfstrom das Klima Norwegens und der Benguelastrom das Klima der südwestafrikanischen Küste, dort erwärmend, hier abkühlend – die Lage der beherrschenden Gebirge gegen die herrschenden Winde, für kleinere Gebiete die Gestaltung der Erdoberfläche – Tallage, Lage auf einem Hochplateau, einem Abhang u.s.w. Auch die physikalische Beschaffenheit der selten Erdoberfläche und ihre Bedeckung können von großem Einfluß auf das Klima sein, insbesondere ist die Bedeutung einer Schneedecke [3] nicht zu unterschätzen. – Ueber die Beziehungen des Klimas zur Bodentemperatur s. Geothermik.


Literatur: [1] Brückner, Klimaschwankungen seit 1700, nebst Bemerkungen über die Klimaschwankungen der Diluvialzeit, Pencks Geogr. Abh., Bd. 4, Heft 2, Wien 1890. – [2] Trabert, Das solare Klima, Met.-Zeitschr. 1894 (auch Hann. Klimatologie, s.u.). – [3] Woeikof, Der Einfluß einer Schneedecke auf Boden, Klima und Wetter, Pencks Geogr. Abh., Bd. 3, Wien 1889; Brückner, Ueber den Einfluß der Schneedecke auf das Klima der Alpen, Zeitschr. d. Deutschen und Oesterr. Alpenvereins 1893, Bd. 24; ferner Zenker, Der thermische Aufbau der Klimate aus den Wärmewirkungen der Sonnenstrahlung und des Erdinnern, Nova acta der Kgl. Leop. Karol. deutschen Akad. d. Naturforsch., Bd. 57, Nr. 1, Leipzig 1895; Woeikof, Klimatologische Zeit- und Streitfragen, Met. Zeitschr. 1891, 1894 und 1895; Meyer, Hugo, Anleitung zur Bearbeitung meteorol. Beobachtungen für die Klimatologie, Berlin 1891; Koppen, Anleitung zu klimatologischen Untersuchungen in Brauns Lehrbuch der Balneotherapie, 5. Aufl., Braunschweig 1886; Lehrbücher der Klimatologie: Hann, Handbuch der Klimatologie, 2. Aufl., Stuttgart 1897; Woeikof, Die Klimate der Erde, Jena 1887; Marchi, L. de, Climatologia, Mailand 1890; Koppen, Klimalehre, Leipzig 1899; Supan, Grundzüge der physikal. Erdkunde, Leipzig 1896; Koppen, Versuche einer Klassifikation der Klimate vorzugsweise nach ihren Beziehungen zur Pflanzenwelt, Leipzig 1901; v. Bezold, Ueber klimatologische Mittelwerte für ganze Breitenkreise, Sitzungsbericht der Kgl. Preuß. Akad. d. Wissensch., LIII, Dez. 1901; Atlas climatologique de l'empire russe, publie par l'Observat. Phys. Central Nicolas, Petersburg 1900; Kremser, Klimatologie des Oderstromgebiets, Berlin 1896; Die klimatischen Verhältnisse des Elbstromgebiets, Berlin 1898; Desgl. des Memel-, Pregel- und Weichselgebietes, Berlin 1900; Desgl. des Weser- und Emsgebietes, Berlin 1901.

Großmann.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 510-512.
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