Blutlaugensalz

[927] Blutlaugensalz, 1) Gelbes B. (Eisenblausaures Kali, Blausaures Eisenoxydulkali, Kaliumeisencyanür), wird durch Glühen stickstoffhaltiger organischer Stoffe mit Eisen u. Kali dargestellt. Solche Stoffe sind Fleisch, Blut, Horn, Knochen etc., die man gewöhnlich vorher durch trockene Destillation verkohlen läßt. Das Schmelzen findet in einem vor Luftzutritt bewahrten starken eisernen Gefäße Statt. Nach der neueren Schmelzmethode hat dasselbe die Form einer Schale, welche in den Flammofen so eingesetzt ist, daß die Flamme darüber hinstreicht, also das Eisen der unteren Rundung nicht angreift. Aus 100 Theilen Thierkohle werden etwa 32 Theile B. gewonnen. Eine andere Methode zur Gewinnung des B-es wurde von dem Franzosen Desfosses entdeckt, welcher Stickgas bei hoher Temperatur mit Kohle u. Kali in Berührung brachte, dadurch Cyankalium gewann u. aus diesem durch Zusatz von Eisenvitriol Eisencyanür bildete. Das B. krystallisirt in rechtwinkelig vierseitigen Tafeln bis 5 Zoll Seitenlänge u. 2 Zoll Dicke, ist hellgelb, durchsichtig, geruchlos, von süßlich-bitterlichem Geschmack. Über seine technische Anwendung s. Berliner Blau. 2) Rothes B. (Blausaures Eisenoxydkali, Kaliumeisencyanid), enthält um die Hälfte mehr Cyan u. wird durch Behandlung einer concentrirten Auflösung von gelbem B. mit Chlorgas dargestellt. Es krystallisirtin gelblich-rubinrothen vierseitigen Prismen, nicht selten 3–4 Zoll lang u. 1 Zolldick. Es löst sich in Wasser mit dunkel-gelbrother Farbe u. gibt mit Eisenoxydulsalzen einen blauen Niederschlag, weshalb es zum Blaufärben der Wolle Anwendung findet.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 927.
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