Absätze

[27] Absätze, diejenigen Bildungsweisen von Gesteinen und Mineralien, bei[27] denen sich deren kleinste Teile aus einem andern Medium (Wasser, Wind u.s.w.), sei es auf chemischem oder mechanischem Wege, abscheiden oder niederschlagen. Der genaue Bildungsvorgang ist in manchen Fällen noch unbekannt und allgemein gültige Kriterien sind nicht vorhanden.

Man unterscheidet: 1. Chemische Absätze: einziges Medium, das Wasser. Entweder führt es schon im gewöhnlichen Zustand eine Reihe von Stoffen in Lösung (Meerwasser) oder es löst teils in reinem, teils (und häufiger) im Zustand der Verunreinigung (durch Kohlensäure), endlich aber unter dem Einfluß hoher Temperatur und hohen Druckes eine Reihe von Mineralsubstanzen auf und scheidet sie wieder entweder infolge der Abkühlung (Verminderung der Lösungskraft) oder der Verdunstung oder chemischer Veränderung durch andre Substanzen als chemische Absätze ab. Zu ihnen gehören beim Meerwasser die Lager von Gips, Steinsalz und Abraumsalzen. Aus einem Binnenmeere scheiden sich bei allmählichem Verdunsten zu unterst und zuerst Anhydrid und Gips, dann Steinsalz und zu oberst und zuletzt die leichtlöslichen schwefelsauren und Haloidsalze aus [1]. Weiter werden zu den chemischen Absätzen des Meerwassers die meisten mächtigeren Ablagerungen von Kalksteinen, Dolomit, von Rogenstein, Oolithen u.s.w. gerechnet. Als chemische Absätze der in den Erdschichten zirkulierenden Gewässer sind die Mineral- und Erzgänge, die Ausfüllungen der Blasenräume der Eruptivgesteine (Mandeln, Drusen), die Tropfsteinbildungen der Höhlen anzusehen. Bei allen diesen Bildungen hat sich das Mineral aus wässrigen Lösungen abgeschieden, deren Ursprung oder Gehalt an gelösten Stoffen oft auf vulkanische Tätigkeit zurückzuführen ist. Die chemischen Absätze der zu Tag ausgehenden Wasser, der Quellen, sind ebenfalls Ausscheidungen aus Lösung durch Verdunstung und Abkühlung: Kalksinter oder Kalktuff, Sprudelstein, Kieselsinter, Eisenocker u.s.w. [2]. – 2. Mechanische Absätze (Ablagerungen, Sedimente) werden da erzeugt, wo die Bewegung des Mediums nicht mehr stark genug ist, um die in ihm schwebenden (suspendierten) Teilchen vor dem Niedersinken zu bewahren. Wasser, Wind und Eis nehmen im Fließen und Bewegen vielfach kleine Teilchen auf, tragen sie schwebend weiter und lassen sie bei verminderter Geschwindigkeit wieder zu Boden sinken. Auf diese Weise entstehen viele Schichtgesteine oder Sedimente, teils in Flüssen, teils an der Küste des Meeres in Form von Schotter, Kies, Grand, Sand, Lehm, Löß, Schlamm unsrer Täler, die Ablagerungen der Flußdelta als Sandbänke und Barren u.s.w. Vielfach gehen hierbei auch chemische Absätze vor sich, indem mit dem mechanischen Absatz auch die gelösten Stoffe im Fließwasser zur Abscheidung gelangen, z.B. der Kalkgehalt des Lösses, des kalkigen Sandes u.s.w. Der Wind reißt bei großer Geschwindigkeit seine, staubartige Teilchen des Bodens, auch Sand mit sich fort und läßt sie bei verminderter Geschwindigkeit als Staub, Flugsand wieder fallen. Das Eis transportiert in der Form von Gletschern oder Treibeis in Flüssen sehr grobes Material, Gerölle, große Gesteinsblöcke vom Berg zum Tal und läßt sie hier in den Moränen und Schottern ablagern (Gletscherschutt) [3], [4]. – 3. Organische Absätze reihen sich insofern an die chemischen an, als sie aus Lösungen entstehen, die von Organismen, Meeres- und Süßwassertieren, Pflanzen getragen werden. Eine große Reihe von Organismen im Meer scheidet Kalk aus und bildet bei ihrem Absterben und Zubodensinken Ablagerungen: Kalkalgen, Foraminiferen, Spongien, Korallen, Echinodermen, Mollusken u.s.w. Auf diese Weise wurden in früheren Erdperioden mächtige Ablagerungen von Kalkstein in den verschiedensten Formen, als Riff-(Korallen-) Kalk, Kreide, Mergel u.s.w. erzeugt. Auf Diatomeen werden viele Absätze des Süßwassers in Form von Kieselgur und Polierschiefer zurückgeführt. Durch verwesende Pflanzen kann das im Boden enthaltene Eisenoxyd zu Oxydul reduziert werden, das sich mit der neuentstandenen Kohlensäure zu kohlensaurem Eisenoxydul verbindet. Dieses verliert wieder an der Luft die Kohlensäure und es entsteht Eisenoxydul und durch dessen Oxydation in Verbindung mit Wasser Eisenoxydhydrat [2], [3].


Literatur: [1] Ochsenius, Die Bildung der Steinsalzlager u.s.w., Halle 1877. – Allgemein: [2] Roth, J., Allgemeine und chemische Geologie, Berlin 1879, Bd. 1, S. 532. – [3] Gümbel, C.W. v., Grundzüge der Geologie, Kassel 1888, S. 279–390. – [4] Credner, H., Elemente der Geologie, Leipzig 1891.

Leppla.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 27-28.
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