Kuh, Emil

[773] Kuh, Emil, Schriftsteller, geb. 13. Dez. 1828 in Wien, gest. 30. Dez. 1876 in Meran, israelitischer Abkunft, studierte in Wien Philosophie und Geschichte, trat 1847 in das Geschäft seines Vaters in Triest ein, widmete sich aber schon nach Jahresfrist ganz dem literarischen Beruf. 1857 trat er in Berlin zur katholischen Kirche über, 1858 kehrte er nach Wien zurück, war hier als geistvoller und angesehener Literaturkritiker an den hervorragendsten Zeitungen tätig und erhielt 1864 die Professur der deutschen Sprache und Literatur an der Wiener Handelsakademie. Aus Gesundheitsrücksichten verlegte er einige Jahre später seinen Wohnsitz nach Meran. Von entscheidender Bedeutung für ihn war sein nahes Verhältnis zu Hebbel, das aber Anfang 1860 mit einem jähen Bruch endete. Er schrieb: »Fr. Hebbel«, eine Charakteristik (Wien 1854); »Adalbert Stifter« (das. 1868); »Zwei Dichter Österreichs: Franz Grillparzer und Adalb. Stifter« (Pest 1872) und eine umfassende »Biographie Fr. Hebbels« (Wien 1877, 2 Bde.), die trotz parteiischer Urteile noch jetzt von Wert ist. In Gemeinschaft mit Julius Glaser gab K. auch die »Gesammelten Werke von Fr. Hebbel« (Hamb. 1864–68) und mit F. Pachler Friedrich Halms »Nachlaß« (Bd. 9–12 der »Werke«, Wien 1872) heraus. Als Dichter trat er selbständig mit »Drei Erzählungen« (Troppau 1857) und einer Sammlung eigenartiger »Gedichte« (Braunschweig 1858) hervor. Auch seine Schrift »Über neuere Lyrik« (Wien 1865) und die Anthologie: »Dichterbuch aus Österreich« (das. 1863) sind geschmackvoll und gediegen. Kuhs Briefwechsel mit Theodor Storm gab sein Sohn Paul heraus (in »Westermanns Monatsheften«, Bd. 67, 1889–90).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 773.
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