Datteln [1]

[758] Datteln (Dactyli). 1) Früchte der Dattelpalme (s.d.), länglichrund, oliven-, fast eichelähnlich, äußerlich röthlichgelb, enthalten unter der dünnen glatten Schale ein süßes, saftiges Fleisch, in dessen Mitte sich der harte, länglich runde, der Länge nach mit einer Furche versehene Steinkern befindet; sie sind das gewöhnliche Nahrungsmittel in einem Theil Asiens u. Afrikas u. kommen in sehr zahlreichen größeren od. kleineren Varietäten vor. Aus ihnen preßt man auch einen honigähnlichen Saft (Dattelhonig), der entweder als solcher statt der Butter zum Brode gegessen, od., der Gährung unterworfen, als Wein (Dattelwein) u. Essig verbraucht wird. Letzteren bereitet man, indem man den 4 Stunden fortwährend eingekochten Dattelsaft erhält wohlverschlossen in die Erde gräbt u. ihn hier 12 Tage läßt, wo die Gährung vollendet ist. Er hält sich aber nur 1 Jahr. Aus den in Butter gebratenen D. bereitet man eine in den dortigen Gegenden sehr beliebte Speise, Aluha, die sich bes. für den Bedarf im Kriege eignet. Das aus D. gebackene Brod heißt Tammer. In Arabien füttert man Kameele u. Schlachtvieh mit D. od. zerstampften Dattelnstängeln. Die D. selbst werden frisch od. getrocknet od. auf Palmblätter in der Sonne getrocknet genossen. Früher wurden sie wegen ihres Schleimgehaltes bei Brustkranken unter Kräuterthee u. Tränke verordnet. In neuerer Zeit sind die besseren als Leckerei, od. auch unter dem Dessert bei Tafeln, wieder mehr in Gebrauch gekommen. Seltener werden sie, wie Pflaumen, gebacken od. gedämpft, od. als Dattelmus, in Art von Äpfelmus, od. auch in Torten (Datteltorten), in Art von Torten von Apfel- od. anderen Obstarten, auf Tafeln gebracht. Beste Sorten sind: die Königs-D., von Tunis; Schwarze D. (Kara Khourma), häufig im türkischen Handel, am Schwarzen Meer u. in der Levante; die Spanischen D., bes. die von Valencia, werden in zwei Sorten geschieden: süße (Candits) u. bittere (Acrelets); letztere haben etwa 48 Stunden in Weinessig gelegen. Die Früchte einer anderen, am Cap der guten Hoffnung einheimischen Dattelpalme (Phoenix declinata) sind geschmacklos; die Kerne werden von den Eingeborenengeröstet u. wie Kaffee benutzt. 2) Arten der Walzenschnecken, durch Schönheit ausgezeichnet, z.B. Voluta dactylus (Mitra dactylus) u. andere Walzenschnecken, z.B. die Schwarze D., Braune D., das Prinzenbegräbniß. Versteinerte D. (Dactyliten, s.d.) sind Versteinerungen von dattelähnlichen Früchten, meist aus Braunkohlenlagern.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 758.
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