Fräse [2]

[34] Fräse (hierzu Tafel »Fräsmaschinen I u. II«). ein an der Oberfläche mit Schneiden (Zähnen) versehener Drehkörper von Stahl, der durch Drehung um seine Achse zur Wirkung gebracht wird. Man unterscheidet Metall- und Holzfräsen und im übrigen nach Gestalt folgende Grundformen. Bei Metallfräsen: Walzenfräsen mit gerade oder schraubenlinig verlaufenden Schneiden auf einer Zylinderfläche (Fig. 1); Stirnfräsen mit Schneiden auf der Grundfläche; Winkel- oder Kegelfräsen mit Schneiden auf Kegelflächen (Fig. 2). Hieraus setzen sich zusammen Walzenstirnfräsen (Fig. 3), Winkelstirnfräsen (Fig. 4), Scheibenfräsen mit Walzenzähnen und Stirnzähnen auf beiden Seiten (Fig. 5). Formfräsen, Profilfräsen oder Façonfräsen haben beliebige Oberflächen mit achsial verlaufenden Zähnen (Fig. 6); hierher gehören auch die Zahnfräsen (Fig. 7) zum Aus- oder Nacharbeiten der Zahnlücken an Zahnrädern. Abgesehen von den kleinen Fräsen erhalten die Zähne, wo nur irgend ausführbar, eine solche Größe, daß sie mittels Schmirgelscheiben nachgeschliffen werden können. Damit sie hierbei die Querschnittsform der Zähne unverändert beibehalten, werden letztere in der aus Fig. 7 erkennbaren Weise durch sogen. Hinterdrehen (s. Drehbank) angeordnet. Sehr große Fräsen bestehen zweckmäßig aus einem entsprechenden Gußeisenkörper (Kopf) mit eingegossenen oder eingesetzten Schneiden (Messern), die in sehr verschiedener Art mit Schrauben eingestellt und befestigt werden, z. B. bei dem Messerkopf (Fig. 8) unter Anwendung von Keilflächen.

Fräsen: 1. Walzenfräse. 2. Winkelfräse. 3. Walzenstirnfräse. 4. Winkelstirnfräse. 5. Scheibenfräse. 6. Faconfräse. 7. Zahnformfräse. 8. Messerkopffräse. 9. Holzfräse.
Fräsen: 1. Walzenfräse. 2. Winkelfräse. 3. Walzenstirnfräse. 4. Winkelstirnfräse. 5. Scheibenfräse. 6. Faconfräse. 7. Zahnformfräse. 8. Messerkopffräse. 9. Holzfräse.

Kleine Fräsen zum Erweitern (Senken) von Schraubenlöchern u. dgl. heißen Senker und werden oft wie Bohrer (s.d.) in Tätigkeit gesetzt. Holzfräsen bekommen nur wenig, aber scharfe Schneiden, große Lücken und sehr oft Doppelzähne, die nach beiden Drehrichtungen schneiden, um die Schnittrichtung dem Faserlauf anzupassen (Fig. 9).

Die Wirkungsweise der Fräsen verlangt, wenn sie ökonomisch sein soll, bei Schmiedeeisen etwa 150–300, bei Gußeisen 300–400 mm, bei Holz 8–10 m Geschwindigkeit in der Sekunde, also eine verhältnisfertigung[34] von Holzleisten für Fenster-, Bilder-, Spiegelrahmen u. dgl., zum Kehlen sowie zum Nuten und Federn oft nur mit dicken Kreissägen ausgestattet. Mitunter liegen mehrere Spindeln horizontal nebeneinander auf einem Träger, der vertikal verschiebbar ist und an dem festliegenden Arbeitsstück vorbeigeführt wird, so daß mehrere Einschnitte auf einmal entstehen, z. B. Zinken mittels Kegelfräsen etc. Um die Holzfräsmaschine besonders zur Bearbeitung von Flächen, namentlich Flächenvertiefungen in Täfelungen, an Rahmwerk, Modellen u. dgl., geeignet zu machen, hat man ihr die in Fig. 10 vor Augen geführte Konstruktion gegeben, bei der die F. a über dem Arbeitsstück A schwebt und daher den Fortgang der Arbeit genau verfolgen läßt, wozu bei den gewöhnlichen Fräsmaschinen ein häufiges Wenden des Arbeitsstückes notwendig wird. Die F. a sitzt an der vertikalen Spindel b und diese in einem Schlitten c, der durch eine Schraube mit Handrad h genau in der Höhe eingestellt wird, außerdem aber durch das Gewicht G ausbalanciert und mittels des Fußtrittes F, der Hebel H und K sowie der Stange I mit Hebel L sehr schnell in die Höhe zu heben ist.

Fig. 10. Fräs- oder Versenkmaschine.
Fig. 10. Fräs- oder Versenkmaschine.

Zum Drehen der Frässpindel dient der von der Riemenscheibe S angetriebene Riemen R. Das Arbeitsstück A liegt frei beweglich oder fest auf dem Tisch B, der nicht nur um einen vertikalen Zapfen zu drehen, sondern auch in Prismenführungen vermittelst zweier sich rechtwinklig kreuzender Schrauben u wie ein Support in jede beliebige Lage zu bringen ist, wodurch auch eine sichere Führung des Arbeitsstückes ermöglicht wird. Bemerkenswert ist noch das in Hohlguß hergestellte Gestell, das nicht nur eine große Standfestigkeit besitzt, sondern auch als Werkzeugschrank dient sowie den Riemen R größtenteils einschließt und dadurch die mit dem Riemen verbundenen Gefahren fast ganz beseitigt. In Kunst- und Modellschreinereien hat sich diese auch Versenkmaschine genannte Fräsmaschine rasch eingeführt. Auch für Metallarbeiter dient sie zum Fräsen, Bohren und als Graviermaschine. Vgl. Pregél, F. und Schleifmaschinen (Stuttg. 1892); v. Knabbe, Fraiser und deren Rolle (Charkow u. Berl. 1893); Exner, Werkzeuge und Maschinen zur Holzbearbeitung, Bd. 3 (Weim. 1883, mit Atlas); Jurthe, Handbuch der Fräserei (2. Aufl., Frankf. a. M. 1903); H. Fischer, Die Werkzeugmaschinen (Berl. 1900–1901, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 34-35.
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