1. Bittere Pillen muss man in Zucker hüllen.
»Die Vorschriften des Verstandes sind für die meisten Menschen die bitterste Arznei.«
Engl.: Apothecaries would not give pills in sugar unless they were bitter. (Bohn II, 2.)
2. Bittere Pillen vergüldet man. – Simrock, 7932; Eiselein, 512.
Lat.: Salsuginosum sermonem potabili diluit oratione. (Eiselein, 512; Braun, I, 3324.)
3. Bleierne Pillen sind schwer zu verdauen.
4. Die Pillen der Apotheker sind schön, aber inwendig bitter. – Parömiakon, 2073.
5. Die Pillen der Aerzte und Minister sind alle gleich gut.
6. Eine bleierne Pille (Kugel) stopft dem stärksten Beller das Maul.
7. Eine Pille vertreibt nicht jeden Wurm.
8. Nimm die Pillen ein, es ist Kraut, es sticht nicht! – Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 181.
Aufmunterung zum Trinken.
9. Pillen aus der Apotheke helfen dem Narren nicht.
Die Russen: Wenn der Narr gesunden will, muss er sich selbst curiren. (Altmann VI, 465.)
10. Pillen muss man verschlucken, nicht im Maul zerdrucken (kauen). – Simrock, 7934; Körte, 4811.
Dän.: Piller skal man sluge, ikke tygge. (Prov. dan., 455.)
Frz.: Il faut avaler les pilules sans les mâcher. (Bohn I, 21.)
11. Pillulen muss man schlucken, nicht kewen. – Lehmann, 83, 73; Eiselein, 512; Simrock, 7933.
»Die Verachtung ist eine solche Pille, die man wol ganz hinunterschlucken, aber nicht kauen kann, ohne das Gesicht zu verziehen.«
12. Pillulen seind, bösen vnrath im leib zu vertreiben, viel nützlicher als Zuckerkern. – Lehmann, 341, 16.
13. Vergoldete Pillen sind auch bitter. – Parömiakon, 2317.
Die Russen: Wenn die Pille allzu bitter ist, will sie vergoldet sein. (Altmann VI, 457.)
Dän.: Forgyldt pille kand forlyste øynene, men giver dog væmmelse i bugen. (Prov. dan., 455.)
14. Wem man bleierne Pillen verschreibt, der bedarf keines Arztes mehr.
15. Wenn die Pille gut schmeckte, so würde man sie nicht vergolden.
Holl.: Als het pilletje wel smaakte, zoude men het van buiten niet vergulden. (Harrebomée, II, 184a.)
16. Will man die Pillen gut verdauen, so muss man sie nicht kauen.
*17. Die Pille ist zu bitter, um sie zu schlucken.
Holl.: Dat is eene bittere pil, om te slikken. – Die pil es niet gemakkelijk door te slikken. (Harrebomée, II, 184a.)
[1347] *18. Einem die Pille versüssen (vergolden, versilbern). – Lohrengel, II, 196.
Frz.: Dorer la pilule à quelqu'un. (Lendroy, 1592.)
Holl.: Hij krijgt eene vergulde pil. (Harrebomée, II, 184a.)
Lat.: Niveo denticulo atrum venenum inspirare. (Apul.) (Binder II, 2104.)
*19. Einem eine Pille zu verschlucken geben.
Einem einen Verweis, eine bittere Bemerkung, scharfe Wahrheiten u.s.w. anzuhören geben. In Pommern: Enen brav Pillen gewen. (Dähnert, 349a.)
Frz.: Faire avaler pilule à quelqu'un.
*20. Er gibt auf bittere Pillen ein süsses Tränkchen.
Lat.: Marinam auditionem fluviali abluit sermone. (Philippi, I, 242.)
*21. Er hat die Pille (richtig) verschluckt. – Körte, 4811; Braun, I, 3325.
*22. Er hat ihm die Pille vergoldet. – Körte, 4811a.
*23. Er macht ihm die Pillen süss.
Sagt ihm das Unangenehme sehr schonend, in einer milden Verhüllung.
*24. Er muss greuliche Pillen verschlucken.
25. Pillen und Würfel sind gute Purgirmittel. – Harssdörffer, 484.
Jene für den Magen, diese für den Beutel.
26. Statt Pillen – Fleisch, statt Sirop – Wein, und lass dem Teufel die Arznein.
It.: Pillole di cucina, sciroppo di catina, e manda al diavolo la medicina. (Giani, 1335.)
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