Wahn

1. Allein der Wahn ist reich oder arm.Lehmann, II, 26, 8; Petri, II, 5; Eyering, I, 30; Körte, 6407; Simrock, 11121.

»Wie einer ein Wag, Aug, Urtl und Achtung vor ihm hat, also seind ihm all Ding


2. Allgemeinen Wahn muss man gehen la'n.


3. Dem gemeinen Wahn muss man seinen Willen lan.Lehmann, 499, 5.


4. Der Wahn hindert viel.Petri, II, 111.


5. Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.

Aus Schiller's Lied von der Glocke.


6. Der Wahn macht die gantz Welt zu schelmen.Gruter, III, 20; Lehmann, II, 83, 135.


7. Der Wahn macht reich und arm.Günther, 93; Braun, I, 4875.


8. Der Wahn regiert die Welt.Petri, II, 111.


[1741] 9. Der wird nur vom Wahne satt, der isst, was er nicht hat.


10. Dummen Wahn beachtet man zu Recht nicht.Graf, 455, 474.

Vor Gericht gelten nicht luftige Vermuthungen, dort handelt es sich um Beweise des Behaupteten.

Altfries.: Dyo dume wenynge halt ma naet to riucht. (Hettema, XVI, 1, 92.)


11. Ein Wahn, der aufheitert, ist mehr werth, als eine Wahrheit, die zu Boden schlägt.


12. Es ist nur ein Wahn, dass man meint, Most schmecke besser auss Krausen als Gläsern.Gruter, III, 34; Lehmann, II, 156, 157.

»Es ist nur ein wohn, das man meint, der Wein schmack bass auss der Krausen, dann auss dem Glass.« (Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 490.)


13. Hier, wo mein Wahn Frieden fand, Wahnfried sei dies Haus von mir genannt.

Diese Inschrift trägt das von dem berühmten Tondichter Richard Wagner in Baireuth erbaute Haus în goldenen Buchstaben auf drei Marmortafeln.


14. So schrecklich als der Frommen Wahn kein Unsinn jemals rasen kann.


15. Wahn erheischt viel, Nothdurft wenig.Simrock, 11120; Körte, 6406; Braun, I, 4874.


16. Wahn ist ein blinde Kuh.Lehmann, 512, 23.


17. Wer nach dem Wahn lebt, der wird nimmer reich.Petri, II, 738.


18. Wer seinen Wahn hochachtet, verehrt einen Oelgötzen.

Lat.: Dum surgunt miseri, nolunt miseris misereri. (Sutor, 929.)


19. Zum Wahne taugt der Glaube nicht.Graf, 374, 488.

Wer seiner Sache nicht gewiss ist, soll sie nicht durch einen Eid als zweifellose Thatsache hinstellen. (S. Meinen 1 und Zweifel.)


[Zusätze und Ergänzungen]

20. Der Wahn ist der schlimmste Tyrann.

Lat.: Opinio animum saepius quam res premit. (Sailer, Sprüche, 33.)


21. Wer den Wahn zum Masstab nimmt, der ist arm im Ueberfluss.

Lat.: Opinione quis dives? (Sailer, Sprüche, 135, 128.)


22. Wo viel Wahn, da ist wenig Wahrheit.

Lat.: Ut verax, ne suspicax. (Sailer, Sprüche, 135, 127.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon