Maulaffe

1. Auch Maulaffen hat man nicht umsonst feil.

Frz.: On n'est pas bedaud pour rien.


2. Wer die Maulaffen für sich hat, der hat gewonnen Spiel.


*3. Maulaffen feil haben.Eiselein, 455; Körte, 4133; Lohrengel, II, 378; Braun, I, 3628; für Steiermark: Firmenich, II, 765, 13; für Tirol: Schöpf, 429; für Franken: Frommann, VI, 320, 275.

Das Maul weit offen haben, gaffen. »Einen, der das Maul aufsperrt, den wir auff teutsch einen Maulaffen nennen.« (Luther's Werke, II, 114.) Maulaffe kommt wie viele andere Wörter, aus dem Plattdeutschen her, von Muul (Maul) und apen (offen); Maulapen heisst, mit offenem Munde stehen. Da Ape auch im Niederdeutschen ein Affe heisst, so hat man aus Unkunde aus dem offenen Maule einen Maulaffen gemacht und vermuthlich zuerst eben den, der im Plattdeutschen ein Muulape hiess, einen Maulaffen genannt. In der Folge hat vielleicht jemand von einem Menschen, der mit offenem Munde auf dem Markte stand und die ausgelegten Waaren begaffte, im Scherz gesagt, er habe Maulaffen (sich selbst) feil, woher die obige Redensart entstanden sein mag. Man nennt aber auch jemand, der in der bezeichneten Weise dasteht, einen Maulaffen. »Unsere Bischöffe sitzen ietzo wie die Oelgötzen und Maulaffen.« »Sie meinen, wenn einen Cardinal ein fauler Bombart entführe, so wäre den Teutschen ein neuer Artikel des Glaubens geborn; das machen wir selbst, und ist unser schuld, dass wir solche Maulaffen sind.« (Luther's Werke, I, 528; V, 227.) In Würzburg: Do steath 'r unn hot Maulaffa fäl. (Sartorius, 173.) Die auf den mecklenburger Bauerhäusern angebrachten Píerdeköpfe nennt der Bauer Mûlâpen, weil sie fast überall mit offenem Maule dargestellt sind? (Vgl. Chr. Petersen, Die Pferdeköpfe auf den Bauerhäusern, besonders in Norddeutschland, S. 15, besonderer Abdruck aus dem Jahrbuch für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, Bd. 3.) Solcher Verwechslungen, Sinnentstellungen u.s.w. kommen in unserer, wie in andern [526] Sprachen viel vor. So ist aus Sprachunkenntniss aus der Sintflut, d.i. der grossen Flut, eine Sündflut, aus dem rothen Billardball Caramboline eine Karoline geworden. In Lincoln hat man aus drei Gossen drei Geissen (Ziegen) gemacht. Unmittelbar unter der Hochbrücke befindet sich dort ein Gasthaus mit dem Schilde: Zu den schwarzen Ziegen (Goats). Früher stand auf dem Schilde zu den drei Ziegen (Goats) ein Name, der von den drei Wasserabzügen (gowts = Gossen) hergeleitet war, an denen das Haus steht. Man hat die gowts (Gossen) in goats (Ziegen) verwandelt. Eine englische sprichwörtliche Redensart lautet: To know a hawk from a handsaw = einen Habicht von einer Handsäge unterscheiden können, sie hiess aber früher: To know a hawk from a hernshaw, d.i. einen Habicht von einem Reiher unterscheiden können. So hat man das französische Buffetier, d.i. einer, der am Buffet wartet, in das englische beefeater = Rindfleischesser, im 12. Jahrhundert die Bernikel- Muschel in die Bernikel-Gans verwandelt. Unter dem Titel: Populäre Mythologie hat die Europa von F. Steger (Leipzig 1870, S. 1271) einige Beispiele dieser Art aus K. Böttger's Uebersetzung der Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache von Max Müller zusammengestellt. – Sinnverwandte Redensarten sind: Auf der faulen Bank, auf der Bärenhaut liegen, ein Tagedieb, ein Bärenhäuter sein, dem lieben Gott den Tag abstehlen. In anderer Beziehung und mit anderer Ableitung vernimmt man auch die Ausdrücke: Maulheld und Maulhure. Ein Haus in Franken hat die Inschrift: »Aff, stell mich her und gaff; derweil ich hier thu stehn, könnt' ich meiner Wege gehn.« Nach Eiselein (431) finden sich in Geiler's Brösamlin (Bl. 61) eine Anzahl anderer, aber wirklicher sprichwörtlicher Affen, als: Ja-Affen, Moraffen (Schlemmer), Malaffen (die sich putzen und färben), Lobaffen, Sorgaffen, Munaffen (Maulhänger), Gînaffen (die alles anginen), Schlaraffen (Faulenzer), Roraffen (die im Rohr sitzen und sich Pfeifen schneiden, wie sie wollen).

Frz.: Béer aux corneilles. – Croquer le marmot. – Faire le janlorgne. (Kritzinger, 66a u. 385a.) – Gober des mouches. – Il régarde de quel côte vient le vent. – Ils viennent regarder qui a le plus beau nes. (Kritzinger, 176a u. 477a.) – N'avoir que ses vingt-quatre heures à dépenser par jour. (Masson, 81.)


*4. Mûlapen to Kôp hebben.Dähnert, 317b.


*5. Mûlapen verköpen.Dähnert, 317b.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873, Sp. 526-527.
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